Freitag, 10. Dezember 2010

Helmer Pardun und das Kompetenzzentrum der Antiquare




Werte Trauergemeinde,

1.
wollen Sie meinen absoluten Alptraum kennenlernen? Es ist einer von der Sorte, in denen wir schweißgebadet aufwachen, nur um nicht noch weiterträumen zu müssen.

Ich träume davon, wie Leander Wattig und unser Soloantiquar, Helmer Pardun, an einem Tisch sitzen und beschließen, von Stund an gemeinsam die Antiquare zu beglücken.

Von Wattig kommen auf uns Antiquare Projekte ohne wesentlichen Inhalt, aber mit einfallsreichen Hüllen und leeren Strukturen (die Facebook-Kritikseite, die ihn vom Thron schubsen will, geht übrigens nicht auf mich zurück). Pardun läßt dagegen uns Einblicke tun in die Labyrinthe seiner sozio-philosophischen Gedankengänge. Vermutlich kann außer unserem Hausphilosophen RFMeyer kein Antiquar etwas damit anfangen, aber das ficht Pardun nicht an. Wir dürfen noch viel Anspruchsvolles, wenn auch ziemlich Dunkles von ihm erwarten.

Wir lesen heute in seinem Blog:

"Was das Internet, was die Arbeit im World Wide Web beflügelt, sind Innovation, Partizipation und Medienkompetenz. Ob digital oder real, virtuell oder regional - Kunden wollen Kompetenz.",

zu dem mir, um das Wortgeklingele zum Dada hin zu erweitern, die Alliteration " Ob digital oder real, virtuell, regional oder irrational" eingefallen ist, ganz spontan, wofür ich um Verzeihung bitte, es ist ja sowieso leeres Strohgedresche, der Sinn ändert sich kaum - - und den zweiten Satzteil erweiterte ich zu: "Kunden wollen Kompetenz - aber Antiquare haben sie nicht."

Bis hierhin, in seiner Aneinanderreihung von aufgeplusterten Selbstverständlichkeiten, bleibt Pardun im gewohnten Fahrwasser. Dann bringt er drei leider nur auf den ersten Blick sinnvolle Sätze. Ich darf zitieren:

"Antiquare sehen noch nicht, oder sie übersehen noch immer gern, dass sie im Internetzeitalter wichtig sind und wichtig werden können

als (1) Kultureinrichtung, Bildungspartner, Gestaltungselemente der Forschungs- und Wissenschaftsinfrastruktur,

als (2) kulturelle Ereignisorte für Inspiration und Kommunikation, z. B. in der Schaffung und Anwendungen von Informationen und nicht zuletzt auch

zum (3) Zweck des Wissens und der Fantasie, des Verständnisses und des Vergnügens ".

Da gilt es nun hurtig aufzuräumen:

Zu Punkt (a) Ein Antiquar ist keine Kultureinrichtung. Du meinst "das Antiquariat" oder "die Webseite des Antiquars". Dann sag es auch so!. - Was ist, o Gottchen, ein "Bildungspartner" ? - Wie soll ich mir den Antiquar als "Gestaltungselement" vorstellen? - Was unterscheidet "Wissenschaft" von der "Forschung"? Ist Forschung kein Bestandteil der Wissenschaft? Kollege Pardun, der Satz unter (a) ist schreckliches Geschwurbele.

Zu Punkt (b) Nun soll "der Antiquar" auch noch ein "Ereignisort" sein? - Wodurch unterscheide ich "Inspiration" (Sie meinen den Begriff doch hier aktiv-transitiv, also "jemanden inspirieren") von "Kommunikation? Ist aktive Inspiration nicht immer Kommunikation? - Was, o Kollege, ist bitteschön die "Schaffung" von Informationen? Und ist die "Anwendung" einer Information hier nicht eine unzulängliche Vokabel, handelt es sich nicht eher um "Nutzung" oder "Umsetzung"?

zu (c) Dient nun der Antiquar - vielseitig verwendbar - auch noch "zum Zweck des Wissens"...? Ich fasse es nicht. Was bitte unterscheidet "Wissen" und "Phantasie", wie trennen wir "Wissen" von "Verständnis", was soll uns Antiquaren, die wir ja offenbar bei Pardun zu allem herhalten müssen, der Schwurbelbegriff des "Vergnügens"?

Die Sätze a-c stammen aus dem Musterbuch des W o r t e k l i n g e l n s, das sich an den Formulierungen berauscht, ohne auf den Sinngehalt des Formulierten zu achten.

Kollege Pardun, ich will nicht herzlos erscheinen, aber wer sich an der deutschen Sprache vergreift, der darf Schonung nicht erwarten.

Ich beschließe die Exkursion in Parduns jüngsten Webtext mit dem Schlußabsatz, in dem er seine ganze Dröhn- und Nebelhornformulierungskunst auf die Spitze treibt:

"Zur Ausgangsfrage: "Social Media im Antiquariat - Dumm 2.0 oder Drum 2.0?" - In einer ersten Annäherung wird eine einigermaßen treffende Antwort weder "Ja" oder "Nein" zu einer von beiden der Alternativen sein können, sondern wohl nur entlang eines Maßstabs zu geben sein, der da lautet: "Es kommt schon sehr drauf an, warum, wieviel und was man draus macht."

Ja f r e i l i c h, zum Donnerwetter und krutzitürken, St. Antonius bitte für uns - - was denn s o n s t ? "Es kommt schon sehr drauf an, warum, wieviel und was man draus macht." - Das ist doch eine Nullinformation der allerschlimmsten Sorte. Weshalb schreiben Sie sowas hin?


2.
Nun eine praktische Überlegung, was die "Kompetenz" der Antiquare betrifft.

Ich hatte vor Jahren einige (leider schlechte, weil oberflächlich und hastig geschriebene) sogenannte "Ratgeber" bei Ebay verfaßt zu antiquarischen Sachbereichen. Sie sind inzwischen hoffnungslos veraltet und könnte ich sie löschen, dann hätte ichs längst getan.

In der Folge erreichten mich ein Jahr lang erstaunlich viele Anfragen von mir bisher nicht bekannten Ebay-Kunden zu den behandelten Themen - Ergänzungen, besondere Aspekte, konkrete Beschreibungen von Waren, Nachfragen nach Preisen, Klagen über Antiquare usw. Ich habe sie brav beantwortet und dabei entdeckt, daß solches geduldiges Tun

*Freude macht und
*schöne Kundenkontakte bringt.

Dann schrieb ich keine weiteren Ebay-Aufsätze und die Anfragen versickerten nach und nach.

Als eine von vielen möglichen Lehren aus der (in der Sache) richtigen Ermahnung Parduns, sich doch den neuen kommunikativen Möglichkeiten im Netz zu öffnen, sie zu nutzen, hätte ich folgende Idee beizusteuern:

Die Antiquare könnten ein (leider inzwischen unvermeidliches Unwort:) "Kompetenzzentrum" einrichten, an das sich alle Kunden wenden würden, die irgendeine Sach- oder Procedere-Frage aus dem gesamten Bereich des Antiquariats auf der Seele haben.

In einer zentralen, übersichtlich nach den Themen unseres Berufs geordneten Zentralseite des "Kompetenzteams" würden ihre Fragen per Email oder Brief entgegengenommen und dem betreffenden Antiquar zugeleitet, der für das jeweilige Thema zuständig ist.

Jeder Kollege sollte sehr enge und genaue Sachbereiche angeben, in denen er sich, ehrlich und realistisch, für sachkundig hält - so, daß er notfalls auch telefonisch, in Talkshows oder auf Messe-Podien dazu sprechen kann, ohne Handbücher zurate zu ziehen.

Bei mir wäre das z.B.

*Zeitungen (nicht Zeitschriften)
*Pornographie, Sexualwissenschaft
*historische internationale Kriminologie bis 1950
*unkonventionelle Gegenstände im Antiquariat wie Broschüren, Plakate, Landkarten, Geschäftspapiere, Lesezeichen
*Portofragen
*Bibliotheks- und Archivwesen
*Internetrecherche im Bereich der Geisteswissenschaften
*juristische Fragen im Antiquariat

Man sieht, worauf es ankommt: Die Kompetenzbereiche müssen sehr präzise angegeben werden. Da ist vom Antiquar eine Bescheidung auf die Terrains notwendig, in denen seine Kenntnisse der Probe standhalten.

Die damit verbundene Arbeit, die Auskunftserteilung, ist nicht unerheblich. Ich schlage vor, gewisse Standards festzulegen, jede Auskunft z.B. auf dem eigenen Firmenbriefpapier und mit Unterschrift verantwortlich zu erteilen (Ausnahme Rechtsberatung), kostenlos zu arbeiten, zeitintensive Recherchen nach Rücksprache mit dem Kunden auch mal zu berechnen mit einer Art Schutzgebühr.

Viele der Kompetenzen werden sich überschneiden. Wir sollten diskutieren, ob wir das so stehen lassen und bewußt mit Doppelungen und Überschneidungen arbeiten wollen - oder ob eine hierarchische Regelung und Einteilung besser wäre. Ich wäre für Mehrfachnennungen und Überschneidungen, vorausgesetzt es gelingt uns, eine überschaubare graphische Gliederung aller Antiquariatsfragen in einer Übersichtsseite darzustellen.

Diese Kompetenz-Webseite der Antiquare hätte es längst geben sollen, aber zum Anfangen ist es nie zu spät.

Das ist nur eine von vielen möglichen Ideen für direkteres, neues Arbeiten im Internet. Insoweit hat Kollege Pardun unbedingt recht und ihm sei, wenn auch leise grummelnd, dieses Ehrenkränzchen gewunden. Er hatte die richtige Idee.

Schönes Wochenende wünscht Ihnen

Peter Mulzer


Das Foto zeigt ein recht vergnügtes Kompetenzteam im Medizinbereich. So ähnlich könnten Antiquare auch dasitzen, könnten sie nicht? Soweit ich sehe, gehört das Bild der Süddeutschen Zeitung.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Nachtrag: Das schauerliche Deutsch der neuen Klett-Cotta-Webseite



Die folgenden Texte aus der Klett-Cotta-Webseite, Stand 8.12.2010, sind leider traurige Wirklichkeit - und nur ein kleiner Ausschnitt aus dem reichen Fundus an mißhandelten Sätzen, die sich in der "neuen" Webseite finden.


"15 Tage verbrachte der italienische Journalist Daniele Mastrogiacomo im Jahr 2007 in Geiselhaft bei den Taliban. Weder sein Fahrer noch sein Übersetzer überlebten die Entführung."

Vermutlich überlebte der Übersetzer nicht, weil er vor Kummer darüber starb, daß er mit Sprachmittler bzw. Dolmetscher verwechselt wurde. "Ein Übersetzer ist ein Sprachmittler, der – im Gegensatz zum Dolmetscher – fixierten (in der Regel schriftlichen) Text von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache überträgt." (Wiki)


"Wessen Land vertrocknet ist und wer nichts mehr zu essen hat, greift zu den Waffen"

Wer das liest, greift auch zu den Waffen. Hier verirrte sich wer zwischen wer und wessen. Zum mindesten felht hier "der". Aber auch dann noch ist es schlechtes Deutsch.


" In je sieben Kapiteln aus Szenarien und Fakten analysiert und veranschaulicht Dyer..."

Dyer analysiert nicht i n Kapiteln aus..., , sondern er analysiert Szenarien und Fakten in (je) sieben Kapiteln. Ein Sinnfehler, logisch verwaschenes Deutsch.


"Schlauer werden mit Zombies, Werwölfen und Vampiren"

nicht m i t, sondern durch Beispiel , durch Beobachtung oder sonstwie


"Der Leser hat den Eindruck, in der vordersten Reihe dabei zu sein"

Richtig: "m i t dabei zu sein"


"Meine mütterlichen Sünden, großen und kleinen Katastrophen und Momente des Glücks"

An "meine Sünden" ist unglücklich angehängt worden.


" Und seit dem 11. September werden in der westlichen Welt dem Phantomwert der Sicherheit Stück für Stück Freiheitsrechte geopfert."

Der Satz ist schlecht. "Stück für Stück Freiheitsrechte"


"Nur er selbst vergießt seit der Fernsehübertragung eines Putsches plötzlich keine Träne mehr. Und als er dies zu hinterfragen beginnt..."

Dieses Putsch? Dieses Träne? Dieses Fernsehübertragung?


"Von der unendlichen Bürde entlasten: Diese Sehnsucht bestimmt Erinnern und Gedenken an das Dritte Reich und den Holocaust in Deutschland."

Ein völlig mißratener Satz. W e n entlasten? Am besten den Satz erstmal auf Deutsch hinschreiben.


"Die vorliegenden Essays sind ein Glücksfall im Werk von Brigitte Kronauer und stammen aus einem Zeitraum von über dreißig Jahren."

Unglücklich formuliert. Der Glücksfall hat mit dem Zeitraum nichts zu tun. Zwei Sätze bilden.


"Von Cicero sind fast 1000 oft sehr persönliche Briefe überliefert. Diesen Quellenschatz bringt Francisco Pina Polo zum Sprechen"

Den "Quellenschatz zum Sprechen bringen"? Die spinnen, die Römer...



"...Persönlichkeit mit beeindruckenden Stärken und menschlichen Schwächen."

Wobei die Stärken vielleicht un-menschlich waren? Das muß man anders sagen.


"Vollständig überarbeitete Neuausgabe, die um die letzten zehn Lebensjahre ergänzt ist."

Man weiß ja, was Du meinst, aber formuliere das bitte besser!


"Was lässt Weltklassesportler an ihrer Seele leiden?"

Unglückliche Formulierung. Meine Seele leidet an solchem Geschwurbel. Leidet er an seiner Seele, oder die Seele an ihm, oder beide am Sport?


"wie ständiger Erfolgszwang und Eigendrill in unserer Gesellschaft krankmachende Bedingungen schaffen"

Vermeide sinnlose Füllselsprache! Vorschlag: "wie... krank machen".


"In der Arbeit mit den Patienten ist die Müdigkeitsreaktion von Analytikern nicht selten, wenn auch in der Regel unerwünscht. Gleichzeitig ist sie ein zentraler Indikator für die Qualität der analytisch-therapeutischen Beziehung "

"wenn auch " darf hier so nicht verwendet werden, auch "gleichzeitig" ist im Sinnzusammenhang schief angewendet. Hier hilft nur Totalauswechslung des Texters/ der Texterin.


"verständnisvolle Eltern, die Ruhe und Sicherheit ausstrahlen, sind von entscheidender Bedeutung für Kinder und ihre Entwicklung"

Natürlich können die Kinder nicht von ihrer Entwicklung getrennt werden - das muß umformuliert werden.


"Wie können Vernachlässigung und Misshandlungen von Kindern verhindert und das Risiko dafür frühzeitig erkannt werden?"

Ganz schrecklicher Grammatikfehler. Führt schon in der 4.Grundschulklasse zur Abwertung.


**********************

"Cotta, gegründet 1659, der maßgebliche Verlag der deutschen Klassik, steht für große Literatur und Philosophie, wie sie sich auch in der verlegerischen Betreuung von Johann Friedrich von Cotta, des Verlegers von Goethe, Schiller und anderen herausgebildet hatte."

Das ist ganz scheußlich verschroben. Es wurde doch nicht Johann von Cotta betreut, sondern Goethe usw. Hier ist "von", "durch" und noch einiges andere durcheinandergeraten. Besonders peinlich bei der Generalvorstellung des Verlags.


"Von der literarischen Fantasy, die wir heute in der Hobbit Presse finden, über die Psychoanalyse, Psychologie, Pädagogik einschließenden Humanwissenschaften, das aufregende, weil immer den Menschen und seine Kultur berührende Sachbuch, bis hin zu dem literarisch-intellektuellen Erbteil zugehörigen Essay."

Ein in dieser Länge und Formulierung oberpeinlicher Satz - ein Unding.


"Das bedeutende Element des historischen Buches fußt auf der Tradition der französischen École des annales..."

Schwurbeldeutsch. "Das bedeutende Element des Buches fußt..." Hier macht sich ein Verlag lächerlich.


"...hat sich diese Mischung aus Tradition und Erneuerung als konsistent und zukunftsweisend erwiesen. Dafür sprechen insbesondere Zuspruch und Erwartung unserer Leser."

Aber nein, nicht so bitte. "Dafür sprechen Zuspruch und Erwartung..." Abgesehen von mehreren logischen Sprüngen ist hier die deutsche Sprache mißhandelt.


Fazit:
Klett-Cotta, mir graut vor Dir. Nur gut, daß der alte Goethe solches nicht mehr lesen muß.




Zum Foto: Aufgrund der oben zitierten Texte ist es uns gelungen, endlich ein authentisches Foto der Verlagsleitung Klett-Cotta zu identifizieren: Die Herren bei der Arbeit an ihrer neuen Webseite




Die neue Klett-Cotta-Seite - eine Beleidigung für Verstand und Sinne




Es gibt Webseiten, die eine einzige Beleidigung aller S i n n e darstellen. Wenn dann auch der V e r s t a n d auf der Strecke bleibt, kann der Leser nur noch hilflos lallen.

Aus gutem Hause kommt diesmal eine Homepage, für die Klett-Cotta verantwortlich zeichnet. Zuhause ist sie in Absurdistan.

Wenn der Kunde und Besucher sich, wie es hier der Fall ist, ohne Gegenwehr Machwerke dieser Art antun muß, darf er sich dann nicht wehren? Ich vertrete die Schule harter Webkritik - was uns Böses getan wird, davon dürfen wir künden. Auszuhalten haben wirs ohnehin. Eine Ohrfeige, ein Tritt sind nichts gegen die Verletzungen, die uns eine miserable Webseite zufügt.

Das triste Blaßviolett nehmen wir noch hin. Es ist die häßlichste Farbe der Welt, gebräuchlich für Papiertotenhemden im Atomkrieg und Altersheim-Nachttöpfe. Violett kann wunderschön sein, jeder Katholik weiß das aus der Passionszeit. Aber diese Sorte blaßviolett ist deprimierend. Selbstmörderfarbe.

Es gibt viele Schriften, darunter erfreuliche, hinnehmbare - und ärgerliche. In der hier angewandten Größe ist die Schrift auf den Registerkarten unangemessen und die Schrifftype hat jene ersichtlich hergestellte Semi-Schlichtheit, die mißfällt. Was ich nur erwähne, weil gleich danach die Todsünde begangen wird, von Großbuchstaben-Texten überzuwechseln in normale Schreibweise - ich sags volkstümlich - und der gequälte Leser muß sich untereinander ansehen

BÜCHER und
Neue Bücher.

Geht es noch häßlicher?

Darunter werden dem Besucher recht unmotiviert fünf Deckelbilder, auf Schwurbeldeutsch "Cover" genannt, an den Kopf geknallt - - ohne ein Sterbenswörtchen der üblichen erklärenden Unterschrift. Solche Rätselspiele sind ganz aus der Mode, Euer Ehren. Aber sachte - klicke ich auf eines der Deckelbilder, dann trete ich erst recht ein ins Reich des Grauens (davon vielleicht unten mehr).

Unterhalb dieser s t u m m e n Reihe der Deckelbilder begibt sich etwas zugleich Möchtegernmodernes wie (wir sind in Schwaben:) Sau-freches und Unhöfliches - in viel zu großen Feldern werden häufigere und seltenere Suchworte der ganzen Homepage nach Größe des statistischen Vorkommens abgebildet. Man muß sich das absolut S i n n l o s e dieses Unterfangens ansehen, beschreiben läßt es sich kaum. Folgerichtig fängt diese Spielerei an womit - mit dem Suchwort "Bücher". Ach nein, wer hätts gedacht?

Ich sags ja, Entenhausen ist nichts dagegen. Klickt man folgsam auf "Bücher", geht die Zwangsreise auch diesmal tiefer in die Abgründe des Absurden.

"Aus unseren News" und "mehr News" ist erstens schlechtes Deutsch und zweitens ein Verstoß gegen die Wortbedeutung. Unter "news" versteht man eben gerade n i c h t das, was ein Verlag neu entwickelt oder neu einführt. Die "News" sind noch immer auf die Nachrichtenvermittlung beschränkt. Eine Verlagsmitteilung w i r d dann zu "News", wenn sie in die Medien eingebracht worden ist. Auf der Homepage heißt so etwas richtig "Neuigkeiten" oder "Neues aus unserer Verlagsarbeit".

Überhaupt wimmelt die ganze Homepage von teils schlimmen Deutschfehlern und Grammatikbrüchen. Wenn, ausgerechnet auf der ersten Seite, formuliert wird: "Die Votingphase ist gestartet!", dann muß der Texter noch einmal in die Untertertia. In die gleiche Schäm-Ecke gehört die Formulierung, auch sie auf der ersten Seite, "Dialogische Führung und coachend leiten". - Euer Ehren, wo haben Sie Grammatik gelernt?

"Aus unseren News" "Service" und "Termine" ist im Verhältnis zu den anderen Schriften lächerlich klein gesetzt. Was sollen solche Spielchen? Unter "Service" - ein schrecklich falsches Modewort, denn die ganze Verlagsseite sollte "Service" sein - verbergen sich die üblichen Verlegenheitseinträge. "Service: Leser" ist völlig kryptisch. Für wen sonst, wenn nicht für den Leser, macht KC diese Seite?

Die Werbeeinblendungen unten, an sich recht gut gestaltete Kleinplakate, sind mitnichten solche, sondern - keine Seele kann trotz der roten Erklärungszettelchen darauf kommen - große Registerkarten, die es anzuklicken gilt, will man zu den entsprechenden Teilen der Webseite kommen. Werbefelder aber, das lernt heute schon ein Viertklässler, klickt man besser nicht an... Diese mißverständliche Gestaltung ist brandgefährlich und ein so gravierender Planungsfehler, daß ich meinen alten Hut verwette: Das ändern sie bei KC subito. Sonst bleiben die entsprechenden Webteile - - unbesucht. Sowas Schusseliges ist mir selten begegnet, daß jemand

*die eigene Webseite völlig lahmlegt.

Ein Quentchen, aber doch nicht viel besser ist die Erkennbarkeit dort, wo mehrere Verlagssignets als anklickbare Einstiegssymbole gestaltet sind. Aber sehen Sie näher hin: Wer realisiert auf die Schnelle hier die D e t a i l s der Symbolvarianten? Das müssen Sie aber, denn dahinter stecken beim Verlagsriesen KC jeweils ganze, höchst unterschiedliche Welten... Ein abschreckendes Beispiel dafür, wie Webseitengrafik nicht als Helfer und Verdeutlicher der Botschaft eingesetzt wird, sondern als Hindernis und Verballhorner der message auftritt.

Darunter kommt ein, sit venia verbo, ekelhaftes Gewürme und Geranke von lieblos angeordneten, schwer überschaubaren, offenbar verblödet geordneten Stichworten, die man minutenlang studieren muß, um halbwegs die gemeinten, gedachten Stukturen erkennen und anklicken zu können. Das macht ein Informatikstudent im ersten Semester besser. Sind denn nun "Bücher", "Fachbücher", "Autoren" die Header der unten folgenden Aufzählungen, oder sind sie es nicht? Da das Feld unter "Autoren" leer ist, kommt der verwirrte Betrachter irgendwann darauf, daß dem nicht so sei. Erneutes Sinnen und Denken, bis hier halbwegs eine Struktur deutlich oder besser undeutlich wird.

Was, o KC, hast du dir dabei gedacht? Symptomatisch ist mein (echter, nicht nachkonstruierter) Lesefehler "Artenschutz" statt "Datenschutz". Welche Assoziation mich bei diesem Freudschen Fehler leitete, in Bezug auf die Gattung des Webseitenmachers im Naturreich, dürfen Sie erraten...

Die angekündigte Reise des Schreckens ins Innere - es geht noch schlimmer weiter - sollen Sie selbst unternehmen. Machen Sie sich schnell auf den Weg, denn lang wird dieses Ärgernis von Webseite, wir hoffen auf den bewährten Sachverstand bei KC, nicht im Netz stehen bleiben.

Notabene, ich habe mich wirklich geärgert. Und was ich hilflos über mich ergehen lassen mußte, das hinauszuschreien gab mir der Schöpfer eine Tastatur. Wenigstens wehren darf man sich, darf man sich nicht?

Note 5-6. We are not amused.


Wie vertwittere ich den Leser oder > Leander Wattigs "Nachrichten aus der Buchwelt"


Der gequälte Twitter-Leser (Kupferstich nach Wattig 1725)


Warum habe ich jedesmal, wenn ich auf den Namen "Leander Wattig" stoße, den Eindruck, daß ich veralbert, auf dem Arm genommen, genasführt werde - und das planvoll, mit Absicht?

Es gibt ja im Netz, man kennt die Kontrahenten nicht persönlich, typische Formen von Besessenheit. Leide ich an Verfolgungswahn? Eher unwahrscheinlich, denn direkt hatten wir noch nie miteinander zu tun. Will ich die Antiquare in Schutz nehmen? Die können für sich selber sorgen, und anders als beim Kollegen Paulitz und seinem "Antiquariats-Anzeiger" sehe ich keinen Anlaß, Wattigs Medienerzeugnis zu fördern oder auch nur kritisch zu hinterfragen.

Vielleicht ist es jenes babyblaue, graphisch und auch im Text oberpeinliche Markenzeichen (oder wie nenn ich es sonst?) "Ich mach was mit Büchern", mit dem er uns vor Jahresfrist beglückt und genervt hat. Ich antwortete damals, stellvertretend für noch blödsinnigere Assoziationen, "ja, ich verwende sie als Klopapier". Inzwischen scheint er sich auf "Was mit Büchern" beschränken zu wollen, hier ist nun eine Doppeldeutigkeit gleich eingebaut und die Assoziationen dazu will ich dann doch lieber verschweigen.

Zurück zum unmittelbaren Anlaß. Über Twitter und andere wohlfeile Nachrichten-Trichter macht uns Leander Wattig bekannt mit seinem neuesten Einfall. Es handelt sich um einen Medienaggregator.

Damit darf man den Leser nicht ä r g e r n. Wattig ärgert uns gewaltig. Ich habe im Nebenberuf eine gewisse journalistische Praxis, da entwickelt man Grundbegriffe dafür, was ein Journalist tun - und was er lassen sollte.

Das Netzblatt heißt "Nachrichten aus der Buchwelt". Die schreibt er nicht selber, faßt sie, soweit ich sehe, auch nicht in eigenen Texten zusammen. Er reißt sie an, versieht sie mit seltsamen Symbolen und Zeichen, die sich dem Kundigen als weitere a u t o m a t i s c h e Zugangs- und Darbietungstechniken offenbaren.

Nun ja, man darf, man soll sogar Fremdinformationen sammeln. Geschieht es zum Beispiel wie im Börsenblatt-Netzdienst, dann hat man zunächst verantwortungsvolles Zusammenfassen sorgsam ausgewählter Kurzmeldungen, die dann durch klassische, leicht nutzbare Verlinkungen weitergeführt werden können. Zwei anspruchsvolle journalistische Leistungen kommen da zusammen, um ein lesenswertes, bei aller meiner bekannten Kritik daran doch recht gutes Medium auf die Beine zu stellen.

Leander Wattig, wir wiederholen es, tut nichts dergleichen. Schlimmer noch - er wählt nicht aus und er strukturiert nicht, er tut nur so.

Die Bücherwelt ist umfassend, ein kleines Universum, in dem man sich auskennen muß, will man darüber berichten. Dieser - erstaunlich junge - Mensch scheint vom Buchwesen leider keine Ahnung zu haben. Er vermischt die Stoffe, über die die Bücher berichten - und das ist bekanntlich die ganze Welt - mit dem Medium Buch, er vermengt die Probleme derer, die Gegenstand oder Adressaten der Bücher sind, mit denen, die die Bücher schreiben - und mit denen, die sie drucken, verlegen, ins Netz oder in Bibliothek und Archiv stellen.

Irgendwann muß ihm gedämmert haben, daß eine Sachaufteilung nicht falsch sein könnte. Also entwarf er eine Sachgebietsleiste, die derart unsäglich und, ich vergesse mich: blödsinnig aufgeteilt ist, daß sich eine gescheite Orientierung nicht nur nicht ergibt, sondern der arme Nutzer und Leser nun erst recht im Meer des Durcheinandergewürfelten untergeht.

Es ist schrecklich. Noch fürchterlicher ist die angewandte Technik. Ja, er hat auf der Technik-Uni was gelernt, und also vergewaltigt er den Leser mit lächerlichen Popups, demonstriert uns, wie schön er allen Blödsinn moderner Webseiten-Manipulierung und Leservergewaltigung beherrscht.

N i c h t s stimmt hier, nicht der Grundansatz, nicht die Ordnung, nicht die Darstellung und auch nicht jenes Mindestmaß an Rücksichtnahme und Freiheit, das der Leser auch in Webzeiten verdient hat.

Das soll nur ein Zwischenruf sein, nicht mehr, ich werde nicht wie zu Stormchens Zeiten mit Ratschlägen zum Bessermachen antraben. Nur der Zwischenruf eines gequälten Lesers:

B i t t e so nicht weiter. Nein, nicht...

Jugendmedienschutz-Staatsvertrag > Antiquare müssen Listen "über 18" kennzeichnen!



Leider muß ich meine gestern geäußerte vorschnelle Meinung, der neue Jugendmedienschutz-Staatsvertrag betreffe unsere Arbeit als Antiquare nicht, energisch revidieren. Ich tue das nicht ohne schamvolles Verhüllen meines Hauptes.

In dieser Lage geziemt es mir, die Feder hinzulegen und erst einmal zu zitieren, und zwar aus dem Kommentar des Graphikers und Künstlers Markus Kempken, den er unter Kommentar-Nr. 90 im L a w b l o g gepostet hat. Der Lawblog ist einer jener grundgescheiten und nützlichen Rechtsblogs, die man täglich besuchen sollte.

"(...) 3. Das schon erwähnte Berichten über Filme oder Spiele, die noch keine Altersfreigabe haben bzw ab 18 sind, kann ebenfalls jederzeit böswillig ausgenutzt werden. Gleiches gilt für sämtliche Themen, die ein findiger Abmahner in die vom JMSTV erwähnten Definitionen von "entwicklungsbeeinträchtigend" oder sonstwie gefährlich zwängen kann (...)

4. Schließlich sehe ich die größte Gefahr vor allem darin, daß der JMSTV seine Maßstäbe nicht selbst definiert, sondern von anderswoher übernimmt. Und da kommen vor allem Regelungen ins Spiel wie der auf http://www.pornoanwalt.de/?p=5170 beschriebene EU-Vorstoß, selbst die bei uns legale Pornografie in die Kinderpornoecke zu stellen, ganz abgesehen davon, daß es nirgends eine allgemeinverbindliche Definition von Pornografie gegeben hat (und nicht geben wird).

Als Zeichner betrifft es mich existentiell, wenn andere bestimmen wollen, ob eine von mir gezeichnete Frau, egal ob angezogen oder nackt, nun "minderjährig", dh unter 18 aussieht. Ich sehe schon die Probleme bei meinem nächsten Auftrag auf mich zukommen, wo es nämlich um Kinder und Sexualität gehen wird: seriöser Auftraggeber (und wie!), beste Absichten (Aufklärung), aber ich werde unter diesem JMSTV keine Beispiele meiner Arbeit mehr online stellen können, weil jemand daran Anstoß nehmen kann (und wird, es findet sich immer einer) bzw ein Abmahner die Hebel nutzen kann.

Ich bin in der Wahl meiner Themen nicht mehr frei, ich bin in der Wahl der Darstellung nicht mehr frei. Die "Freiheit der Kunst" kann ich da so hoch halten wie ich will: Abmahner und Richter werden sich nicht darum scheren." (Ende des Zitats)

Das würde ich nun leicht eingrenzen. Erstens wird tatsächlich nur "entwicklungsbeeinträchtigend" von Bedeutung sein und nicht das allzu ausufernde "sonstwie gefährlich ". Zweitens traue ich Richtern und Staatsanwälten ein gutes Maß an Vernunft und Lebensweisheit zu. Ginge es nach ihnen, bliebe die Sache im Rahmen.

Einem bösen Geist ist es aber eingefallen, den A n w ä l t e n die Möglichkeit einzuräumen, im Rahmen von A b m a h n u n g e n ihre eigene Sicht von "entwicklungsbeeinträchtigend" anzuwenden. Damit ist dem Terror der kleinen Schicht von Abmahnanwälten, die ihren Berufsstand in den Dreck zu ziehen und jede juristische Scham, jeden anwaltlichen Anstand zu vergessen belieben, Tür und Tor geöffnet.

Ich fürchte nicht den Richter, sondern den Anwalt, wenn er auf der Jagd nach Abmahngeldern auf die Webseiten-Jagd nach "entwicklungsbeeinträchtigenden" Angeboten geht. Wie viele "Abgemahnte" werden den Weg zum klärenden Gerichtsverfahren scheuen und die abgepreßte Abmahnzahlung stillschweigend leisten? Genau darauf spekulieren sie...

Flagellantismus]
Johanna Fürstauer: ...mit Rohrstock und Peitsche. Eine Sittengeschichte der Flagellomanie; 288 Seiten; sehr viele z.T.ganzseitige Foto-Abbildungen und Illustrationen im Text und auf Tafeln; blaue OPp.(21x14cm)mit weißer Rückenbeschriftung; Exakt-Verlag
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Konstanz 1969 [VERBESSERTE und vermehrte Neuausgabe!] aus dem Inhalt: Zur Soziologie des Flagellantismus / Die Mittel des Flagellanten / Auspeitschung und Strafrecht / Herrenrecht und Sklavenleiden / Die Züchtigung in Haus und Schule / Die Geißel des

Asketen / Gefährliche Buße / Der Flagellantismus als erotische Stimulans / Flagellantische Liebesspiele / Homophile Spielarten der Flagellomanie / Masochistische Freuden / Die Flagellomanie der Gegenwart (Einband z.T.minimal lichtrandig; das vorderste leere Vorsatzblatt fehlt) INSGESAMT GUTES EXEMPLAR der ERWEITERTEN AUFLAGE!

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[Flagellantismus]
Curt Marasotti: Zucht mit Rohrstock und Peitsche;
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159 Seiten auf Kunstdruck-Papier; viele z.T.ganzseitige und farbige Foto-Abbildungen, Illustrationen und Faksimiles; illustr.OPp.(24x17cm); Odörfer-Verlag Röthenbach / Leinburg 1998 [1.Auflage]

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E.D.: Die Kallipygen oder Die Freuden der Rute. Aus dem Französischen übersetzt ["Meisterwerke der Erotischen Literatur" Band IX];
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283 Seiten; einige ganzseitige und z.T.farbige flagellantische Illustrationen; weinrotes Original-Halbleder(22,5x16cm)mit goldgeprägtem Rücken-und Deckeltitel und einem 'Lesebändchen'; Edition Or-Mondial Paris 1968 [1.Auflage]

Kanten z.T.minimal berieben; SAUBERES und GUT ERHALTENES EXEMPLAR DER NUMERIERTEN *VORZUGSAUSGABE* - hier mit der Exemplar-Nummer: "45"

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[Flagellantismus]
Dr.med.Erich Lemmhut: Schulbeispiele der körperlichen Züchtigung. BAND 2: KASUISTIK;
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151 Seiten; 33 z.T.ganzseitige Foto-Abbildungen und Illustrationen auf 24 Kunsdruck-Tafeln; schwarzes OLn.(23x16cm)mit goldener Rücken-und Deckelbeschriftung; Verlag für Wissenschaft, Erziehung und Kultur Dr.phil.H.Henseler Esslingen 1968

[1.Auflage] gutes Exemplar dieses seltenen Bandes in Erstausgabe! (aus dem Inhalt: Die Gewinnung des kasuistischen Materials / Alexander Wendt: Dame mit der Peitsche / Gepeitschtes Weib / Das Duell / Die Liebesschule / / Die faule Agnes / Der Herr Feldwebel / Treibjagd auf Lausbuben / Ein Klingelputzer wurde hart bestraft / Ein Tierquäler wurde bestraft / Das Bad auf dem Dorfe / Aus der Schule geplaudert / Julia war Prügelmeisterin / Rache ist süß)

[Schlagwörter: [spank / Spanking / Flagellation / corporal punishment / caning / flagellation / Rohrstock / Peitsche / strenge Erziehung]]

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Flagellantismus]
James Strong: Memoiren eines Flagellanten: "Die Zeit der Rosen";
[nach diesem Titel suchen]
208 Seiten + 1 Bl.; roter OKart.m.SU(20x14cm); Elite und Isabella Verlag München 1982 [ERSTAUSGABE]

aus dem Druckvermerk: "Dies ist eine bibliophile Rarität. Für Flagellanten eine besondere literarische Kostbarkeit. Sie wurde,ausschließlich als privilegierter PRIVAT-DRUCK des Verlages,in der Kleinst-Auflage von nur 500 einzeln numerierten Exemplaren hergestellt. Dieses Exemplar trägt die Nummer: '71'. Zum Zeichen der Echtheit hat der Autor dieses Exemplar zusätzlich mit seiner Paraphe,also seinem Namenszeichen, versehen" [SEHR SELTENER NUMERIERTER PRIVATDRUCK IN INSGESAMT GUTER ERHALTUNG - komplett mit dem farbfotoillustrierten SCHUTZUMSCHLAG,dieser z.T.etwas unfrisch und berieben

[Schlagwörter: [Spanking / Flagellation / spank / BDSM / corporal punishment / Sadismus / Masochismus / Sadomasochismus / Erziehungsflagellantismus / körperliche Züchtigung / Rohrstock / Peitsche / Venus Kallipygos]]

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[Flagellantismus]
John Bull beim Erziehen. Eine Sammlung Briefe von Anhängern und Gegnern der körperlichen Züchtigung und der Korsett-Disziplin im englischen Erziehungswesen. Aus dem 'Family Doctor' übersetzt von E.NEUMANN [1.Folge];
[nach diesem Titel suchen]
IV+ 123 Seiten; illustr.OKart.(21x15cm)mit Leinenrücken; Leipziger Verlag Leipzig o.J. [ 1901] HIER: undatieter REPRINT um 1960

[Schlagwörter: (spanking / flagellation / caning / strenge Erziehung / Peitsche / Rohrstock]]

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[Flagellantismus]
James Strong: Memoiren eines Flagellanten: "Die Zeit der Orchideen";
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214 Seiten + 1 Bl.; violetter OKart.(20x14cm); Elite und Isabella Verlag München 1982 [ERSTAUSGABE]

aus dem Druckvermerk: "Dies ist eine bibliophile Rarität. Für Flagellanten eine besondere literarische Kostbarkeit. Sie wurde,ausschließlich als privilegierter PRIVAT-DRUCK des Verlages,in der Kleinst-Auflage von nur 500 einzeln numerierten Exemplaren hergestellt. ...Zum Zeichen der Echtheit hat der Autor dieses Exemplar zusätzlich mit seiner Paraphe,also seinem Namenszeichen, versehen" (ohne Schutzumschlag; Einband z.T.etwas unfrisch) SELTENER NUMERIERTER PRIVATDRUCK in insgesamt guter Erhaltung

[Schlagwörter: [Spanking / Flagellation / spank / BDSM / corporal punishment / Sadismus / Masochismus / Sadomasochismus / Erziehungsflagellantismus / körperliche Züchtigung / Rohrstock / Peitsche / Venus Kallipygos]]

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[Flagellantismus, Flagellation, Masochismus, Sadismus, BDSM, Rohrstock, Rohrstockerziehung, Stock, Peitsche, Zuchtmittel]
div.
Stock und Peitsche - ihre Anwendung und Erscheinung
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Hamburg / Amber Verlag 1989
von Stockhausen 62 Seiten und 63 Originalbilder neuwertig 62 Seiten Text mit einem Anhang von 63 Originalbilder (ganzseitig)

Sprache: Deutsch

Artikel-Nr.: 4443

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36 weitere Einträge gefunden im
Katalog Erotik beim Anbieter Antiquariat Hobbystube, Deutschland

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[Flagellantismus]
Bettina Tegtmeier [Hrsg.]: Schmerz - Strafe - Lust. 25 Bekenntnisse von aktiven und passiven Flagellanten (innen);
[nach diesem Titel suchen]
248 Seiten + 3 Blatt Verlagsanzeigen; zahleiche z.T.ganzseitige 'einschlägige' Foto-Abbildungen; fotoillustr.OKart.(20x13cm); Seitenblick Verlag 1998 [2.Auflage] mit einem Textbeitag von Lina Ganowski

(seltener Band in GUTER und SAUBERER ERHALTUNG!)

[Schlagwörter: [Kallipygos-Briefe / Flagellant / Flagellanten / Spanking / Spank / Züchtigung / Flagellation / Rohrstockstrafen / Rohrstock / Peitsche / strenge Erziehung / corporal punishment / sadismus / Masochismus / 1995 / Flagellantinnen]]

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[Flagellantismus]
Herbert Fritzroy: Widerspenstige Frauen. Ein faszinierender Thriller mit 44 Originalfotos;
[nach diesem Titel suchen]
125 Seiten; 44 ganzseitige Foto-Abbildungen auf Kunstdruck-Tafeln; weißes Original-Leinen(25x17cm)mit rotem Rücken-und Deckeltitel; Saturae Verlag Amsterdam 1970 [ERSTAUSGABE]

Sehr seltener Band in GUTER und SAUBERER ERHALTUNG!

[Schlagwörter: [spanking / corporal punishment / BDSM / Bondage / Flagellation / Flagellanten / Prügelstrafe / Sadomasochismus / Erziehungs-Flagellantismus / Bondage / Rohrstock / Peitsche / Sadismus / Masochismus / Hintern / Züchtigung / wiederspenstige]]

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Lemmhut, Dr.med.
Schulbeispiele körperlicher Züchtigung. Band 1: Flagellantismus als Symptom, Band 2: Kasuistik
[nach diesem Titel suchen]
Esslingen Henseler Verlag
Vollständige Ausgabe im original Verlagseinband (blaues Ganzleinen / GLn / OLn / Ln 8vo im Format 16 x 23cm) mit Rücken- und Deckeltitel. 312 und 151 Seiten, mit Literaturverzeichnis und vien Foto-Abbildungen auf Kunstdruckpapier. 1. Auflalege, EA, Erstausgabe in guter Erhaltung (Band 2 ein wenig bestossen). Ohne den (letzten) Band 3.[1.Auflage]. Aus dem Inhalt: Gesetze tierischer Agression / Das Tier im Menschen / Tier und Antitier / Apropos Trieb / Der Flagellantismus / Der aktive Flagellant und die passive Flagellantin / Der aktive fetischierte Flagellant / Der aktive flagellantische Autoerotiker / Sadisten / Antiflagellanten / Der Sadomasochist / Die passive Seite / Der passive fetischierte Flagellant / Der passive flagellantische Autoerotiker / Der Masochist / Der Antimasochist. - Spank, corporal punishment, caning, Flagellanten, Flagellantinnen, Prügelmeisterin, gepeitschtes Weib, Dame mit Peitsche / Gerte / Rute, Rohrstock, Peitsche, strenge Erziehung, Frauen-bestrafung, Züchtigung, Erotica, Erotik, Flagellantica, Flagellantismus, Sexualwissenschaft, Sexuelle Perversionen, Sittengeschichte, Unzucht, unzüchtige Handlung

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Nagel, Fred:
Der Rohrstock - Bekenntnisse eines Masochisten.
[nach diesem Titel suchen]
Exact-Verlag Konstanz, 1970.
8°, Pappband, geb., Akzeptabel

196 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen und Photografien, Schnitt u. Einband leicht fleckig, Buchblock leicht schief, sonst recht ordentlich, kein SU.

[Schlagwörter: Peitsche, Rohrstock, Perversionen, Sexualität,]

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[Flagellantismus]
Dr.John Neumann: Erziehung in Amerika. Eine Dokumentation über Flagellomanie in der Neuen Welt;
[nach diesem Titel suchen]
115 Seiten; 29 z.T.ganzseitige Text-Illustrationen und 33 z.T.ganzseitige Foto-Abbildungen u.Illustr.auf Kunstdrucktafeln; OPp.m.SU(21x15cm); Johannes M.Hönscheid München 1969 [aus dem Druckvermerk: '...erscheint in einer begrenzten Subskriptionsauflage.

Jedes Exemplar ist numeriert, um Mißbrauch auszuschließen. Es wird nur an qualifizierte erwachsene Leser abgegeben und darf Jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden. Dieses Exemplar hat die Nummer 894'] 1.Auflage! (GUTES EXEMPLAR - KOMPLETT MIT DEM FOTOILLUSTRIERTEN SCHUTZUMSCHLAG!)

[Schlagwörter: [Spanking / Spank / Flagellation / bondage / BDSM / Domina / Sadismus / Masochismus / SM / Züchtigung / Rohrstock / Peitsche]]

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Dies ist nun die erste Liste. Sie stammt eher zufällig überwiegend von einem - durchaus ehrenwerten - Kollegen, weil ich einen einheitlichen Abfragemodus eingesetzt habe ("Peitsche" u n d "Rohrstock") . Jeder ältere Antiquar kennt diese Titel, die vor 30 Jahren gar nicht selten waren, immer unter dem Ladentisch gehandelt wurden. Natürlich sind sie extrem "entwicklungsbeeinträchtigend" und ich würde jeden Kollegen prügeln, der etwa meinen Neffen solche Titel verkaufen wollte.

Das Problem ist, daß diese Zitate aus dem ZVAB exakt und genau das tun, was der JMSV verhindern will, nämlich daß Jugendliche solche Angebote überhaupt zu Gesicht bekommen. Verfolgt wird nicht die Lieferung, dafür ist der JMSV nicht zuständig, sondern eben das A n g e b o t im Netz.

Auf den Unterschied zwischen "indiziert" und "entwicklungsbeeinträchtigend" brauche ich hier hoffentlich nicht mehr einzugehen. Das sollte klar sein.

Zweite Runde:

Steckel, Ronald:
Bewusstseinserweiternde Drogen. Eine Aufforderg zur Diskussion.
[nach diesem Titel suchen]
1976.
Raubdruck der Ausgabe Berlin, Edition Voltaire 1970. 165 S. mit Abb., broschiert.

Einband leicht berieben. Papierbedingt gebräunt. - DIE BEWUSSTSEINSERWEITERNDEN DROGEN, DIE DROGEN UND DER WESTEN, DIE BIOCHEMISCHE MANIPULATION, DEUTSCHLAND 1985, WIDERSTAND, DIE POLITIK DER BEWUSSTSEINSERWEITERUNG, LSD, MESKALIN, PSILOCYBIN, OLOLIUOUI, STP (DOM), VARIABLE FAKTOREN, ALLGEMEINE PHÄNOMENOLOGIE, VERÄNDERUNGEN DES BEWUSSTSEINS, VERÄNDERUNGEN DES DENKENS, DIE PSYCHEDELISCHEN DROGEN IN DER, PSYCHOTHERAPIE, ANGEWANDTER MYSTIZISMUS, WARNUNG, DER PSYCHEDELISCHE BACKLASH, HOW TO ENJOY REALITY?, HASCHISCH, MARIHUANA, LEGALIZE POT?, REVOLUTION AUS DER PFEIFE?, Dossier: Turn on tune in flip out, Something is happening, Der Werdegang eines Haschischrauchers, Eine Seuche geht um die Welt, Don't smoke Pot, Rules for the Black Panther Party, Die Politik der Bewusstseinserweiterung, Die zwei Gebote des Molekularen Zeitalters, LSD und die Zwischenwelten.

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Neumann, Nicolaus(hg) ( Hasch)
Hasch und andere Trips Fakten ,Informationen, Analysen mit Beitr. von P. Brückner M. Kooymann, D. Kuhlbrodt u.a.
[nach diesem Titel suchen]
Hbg Konkret 1970
illObr. 8° 169S. = konkret extra Bd. 5 Ordentliches Ex.



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Hasch, Heinz
Alles über Topfpflanzen
[nach diesem Titel suchen]
Edition Frechheit und Mutterglück
8°, Pappband, 30 S., 1 Bl.

guter Zustand, Einband leicht berieben

[Schlagwörter: Drogen, Haschisch]

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Hasch und andere Trips; Nicolaus Neumann; Fakten; Informationen; Analysen; Medizin; Haschisch; Drogen; LSD; Tranquilizer; Cannabis; Marihuana; Psychotherapie; Drogensucht; Abhängigkeit; Drogenabhängigkeit; Drogenmissbrauch]
Neumann, Nicolaus:
Hasch und andere Trips
[nach diesem Titel suchen]
Kamburg: Konkret Verlag 1970
Fakten, Informationen, Analysen - Konkret Extra Band 5 173 S. 21 cm, kart. Einband und Seiten teils leicht fleckig, guter Zustand, Aus dem Vorwort: Macht Haschisch labil? - Hasch und Haschrezepte - Geistige Wasserstoffbombe LSD - Glückspille Tranquilizer - Medizinische Aspekte - Konkret-Gespräch mit dem Rauschgiftdezernenten - Juristische Aspekte - Cannabis-Report I und II - Macht Haschisch dumm?. 2., erweiterte Auflage, 10.-16. tausend

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twen. Nr. 6, Juni 1970 - 12. Jahr. Wo gibts Hasch und Sex in: Hamburg, Essen, Düsseldorf, Köln....
[nach diesem Titel suchen]
Mchn. Kindler & Schiermeyer Verlag. 1970.
4°. 158 S. OBroschur. Gutes Exemplar.

[Schlagwörter: 20. Jahrhundert / 20th Century; 70er Jahre; Fotografie / Photopraphy; Gesellschaft; Zeitschriften / Journals]

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[Marihuana27.8a]
Mann, Peggy:
Hasch - Zerstörung einer Legende
[nach diesem Titel suchen]
Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verl. 1988

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Silver, Gary (Ed.)
The Dope Chronicles. 1850-1950. With Text by Michael Aldrich.
[nach diesem Titel suchen]
Harper & Row, New York, San Francisco, London 1979
Br., Großformat, 284 S., zahlr. Abb. und Faks.

Selten angebotener Sammelband, hier als recht gut erhaltene Ausgabe, lediglich leicht eseslohrig am Einband oben rechts. - Fascinating, sometimes funny, The Dope Chronicles reproduces actual newspaper pages containing drug stories from 1850-1950. It recreates how we felt about and dealt with the use of opium, cocaine, marijuana, and exotic drugs in our midst. The Book evokes a time when there were no social drugs, just social menaces.

[Schlagwörter: Drogen; Kulturgeschichte]

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Dope Comis Nr.1 - Nr.4.
[nach diesem Titel suchen]
Princeton Kitchen Sink Enterprise/Krupp Comic Works 1978-1981.
Jeweils 32 S. OBr. Erste Auflage.

[Schlagwörter: [Comic]]

Artikel-Nr.: [Bestell-Nr 28673

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Hier breche ich ab, nach einem kurzen Einstieg in die ZVAB-Schlagworte "Hasch" und "Dope". Und nochmals - natürlich sind das für uns Erwachsene, namentlich für 68er wie mich, Kokelores-Titel von einiger Harmlosigkeit - aber auch sie will ich in der Hand von Kindern und Jugendlichen n i c h t sehen. Sie anzubieten ist "entwicklungsgefährdend" in ganz klarer Weise.

Das gilt für einen Rattenschwanz anderer Buchangebote, vom Bombenbau bis zum Basteln von Hakenkreuzfahnen. Über Aktfotos und erotische Illustrationen - gar noch mit 17jährigen Muskelpaketen und Megabusen-Bomberinnen, die demnächst als "K i n d e r - Pornographie" laufen werden - lasset uns schweigen: Welch reiches Betätigungsfeld für Abmahn-Anwälte...

Fazit: Selbstverständlich müssen unsere Bücherangebote, wenn auch nur der Anschein einer "Entwicklungsbeeinträchtigung" bestehen könnte, als "über 18" gekennzeichnet, besser gesagt g e b r a n d m a r k t werden. Nochmals sei betont, daß das nicht wegen der Richter oder Staatsanwälte zu geschehen hat, sondern weil die Gesetzgebung die widerliche Meute der Abmahnanwälte auch in diesem Feld losgelassen hat.

Nun beißt mal schön...


Das Foto zeigt zwei Referentinnen des Deutschen Bundestages bei der Anhörung zum Begriff "entwicklungsgefährdend"

Dienstag, 7. Dezember 2010

Antiquariat aktuell: Eine Peinlichkeit und zwei Gefahren




Zur Auflockerung zwei Randbemerkungen zum neuesten Varia-Beitrag in meinem Lieblingsnetzdienst, den ich nie ohne stille Rührung lese


1) Die große Gefahr für Antiquare, der europaweit revidierte "Kinder"-Begriff

Nach wie vor geht es bei den Pornographie-Regelungen aus Sicht der Antiquare nicht um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, wie das Börsenblatt richtig erkennt, sondern um den Charakter ihrer Bestandstitel als "Jugendpornographie". Wenn die hysterische, von feministischen Interessen Hand in Hand mit puritanischem Gezicke aus England und den USA planvoll gesteuerte Einstufung vollbusiger und vollbärtiger Jugendlicher zwischen 16 und 18 als "Kinder" in einer europäischen Richtlinie verabschiedet wird, dann kann ein durchgeknallter Staatsanwalt bei jedem zweiten Antiquar Haussuchung veranstalten - man frage den geschätzten Kollegen Feucht in Allmendingen, wie lustig sowas ist. Pornographische, weil Jugendliche nun auch zwischen 16 und 18 Jahren "aufreizend" darstellende/behandelnde Texte und Bilder sind demnächst grundsätzlich der Willkür unserer seltsamen Volkswart-Nachfolgerinnen preisgegeben. Jeder Kollege darf zittern. Bei näherem Hinsehen ist das leider schon beschlossene Sache, es hat nur fast keiner gemerkt. Wir Antiquare, die es angeht, sowieso nicht - wie denn auch.

Ich habe diese Frage vor unendlich langer Zeit in einem streckenweise arg überholten Blog

"Jugendpornographie"

behandelt, den man als Antiquar auch heute noch lesen sollte. Er wird von mir freilich nicht nachgeführt und bedarf der Aktualisierung. Ich werde mich erst dann wieder an eine Weiterführung machen, wenn "aufreizende" Aktaufnahmen und Aktzeichnungen, "aufreizende" literarische Texte, die von 17jährigen "Kindern" mit Brummbaß oder dito gestandenen 24jährigen Friseurmeisterinnen , die "wie 17 aussehen" - - zur Pornographie werden. Das steht unmittelbar bevor, und dann werde ich den Blog fortsetzen. Ein wenig freue ich mich schon darauf, denn natürlich ist das alles eine ungeheure Peinlichkeit, nur lächerlich und ohne jede präventive Wirkung, den deutschen Richtern und Staatsanwälten mehr als unangenehm, aber was wollen sie machen?


2)

Das E-Book-Programm von Google wurde von mir schon vor Monaten ausführlich diskutiert, nicht unter diesem Namen, sondern mit der etwas nebulösen Formulierung, "...wenn endlich ein gut handhabbares und pfiffiges Hilfsprogramm für das Lesen und Ausdrucken der Millionen eingescannter Texte zur Verfügung steht - dann gnade uns Gott..." und soweiter, Sie kennen mich ja, ich habe diese Möglichkeit damals seitenlang ausgewalzt, die Kollegen haben nur verärgert gegähnt, begriffen hats keiner. Ich eigentlich auch nicht.

Wir sind durch die miserable Qualität und die grotesk hohen Preise der Nachdruckhefte/ Bücher aus den USA in letzter Zeit etwas eingenebelt worden, denn solche Verwertung eingescannter Drucke war in der Tat ungefährlich. Nun aber ist es soweit, die Situation ist da.

Das Börsenblatt ist in einer peinlichen Lage, denn es hätte nun ja schreiben müssen, daß es angesichts dieser unmittelbar bevorstehenden Katastrophe nur e i n e Lösung gibt, nämlich die durchgreifende, schnelle Umgestaltung unseres Angebots in einen S a m m l e r - Markt. Eben nicht nur im hochpreisigen Bereich und/oder in den traditionellen, eher wenigen Sammelgebieten, sondern womöglich und eigentlich überall, in allen Sachgebieten und alle Bücherarten betreffend. Da das mein Projekt ist, darf es davon nicht berichten.

Trotz der ganz fürchterlichen Gefahr, die das Google-Angebot für alle Kollegen heraufbeschwört, verschweige Ihnen nicht, daß ich das Zusammentreffen dieser Google-Neuerung mit meinem

*Generalprojekt zur Umgestaltung des gesamten Antiquariats in einen Sammlermarkt nach Briefmarkenvorbild

sehr begrüße. Denn nun gilt es mit verdoppelter Energie ans Werk zu gehen.




Das "aufreizende" Foto stammt aus der Meisterhand von Rittlinger. In treuem Gedenken an den großen Sportler und Bildkünstler danke ich für die Verwendungsmöglichkeit.

Reform im Antiquariat - nur im Alleingang möglich




Kennen wir uns selbst - kennen wir unsere Kunden?

Vor einigen Jahren tat ich mich sehr schwer mit einem Sachverhalt, der sich dann als schier unlösbares Schichten- und Strukturproblem entpuppte.

Das kam so. Kaum hatte ich mich eingestellt darauf, daß mit wort- und geistreichen Antiquaren zu verkehren sei wie mit älteren, grundgescheiten Gymnasiallehrern, fuhren mir staubtrockene Kaufleute mit dem Horizont eines Lübecker Gemüsehändlers an den Wagen, mit der Aufforderung, ich solle erst einmal gescheite Fakturen und Mahnbriefe verschicken und im übrigen den Mund halten, denn das Antiquariat sei ein An- und Verkauf und wenig mehr, basta. Darauf erklangen wieder die Flötentöne unserer Oberästheten vom Dienst und ergriffen lauschten wir dem Hohelied des Antiquariats, gesungen von Biester und seinem gelben Edelblatt. Die rauhe Wirklichkeit holte mich wieder herunter, denn Ton und Inhalt antiquarischer Diskussionen anderswo, in Ebay-, Amazon- und Geizmonsterforen waren überwiegend schauerlich. Ein Antiquariat der Fischweiber und Pizzahändler? Schnell wieder den Blick nach oben gerichtet. Und dort? Fassungslos stand, und stehe ich noch, vor den philosophisch-soziologischen Ergüssen, die nicht nur aus Radebeul und Berlin, sondern zu Zeiten auch von Kretzer et alii so leicht aus dem Ärmel geschüttelt werden, als schrieben sie Einkaufszettel.

Nein, so nicht, rufe ich in Alpträumen und erhoffe mir Rettung aus dem Würgegriff der Philosophen bei den Ästheten, den Künstlern, den Literaten. Zwischen Opferaltären für Jean Paul, und, nicht minder problematisch, den Feierstunden für Ernst Jünger hin- und hergerissen, fliehe ich auf neutrales Terrain - hier stehen ergriffen die jungen und alten Greise der Maximiliansgesellschaft und anderer bibliophiler Vereinigungen des Schreckens und feiern sich und die verschwundenen Ideale ihrer eigenen Jugend mit Tränen in den Augen. Aber schon kommt bookmarathon und holt uns in ihre geniale Ramschwirtschaft herunter. Wird uns der Verband retten? Sehe ich mir näher an, was im Reiche der Wetscherek und der Karl-May-Experten an oberbayerischen Seen so abläuft, von niederrheinischen Qualitätsantiquaren zu schweigen, dann ist mir das noch weit weniger sympathisch.

Ist jemand in der Lage, dieses heillose Durcheinander anders aufzudröseln als durch das sattsam bekannte Schichtenmodell nach System Mulzer, inzwischen auch schon eine Zwangsvorstellung? Mit anderen Kriterien kommen wir nicht weiter, auch nicht mit einem an sich naheliegenden Gesetz der zunehmenden Intelligenz oder wenigstens Berufsweisheit. Denn jeder von uns kann Fälle aufzählen, wo grundgescheite und erfahrene Kollegen eine kümmerli che kleine Klitsche betreiben und nicht hochkommen, während in den obersten Edel- und Messeebenen zum Teil törichte, dümmliche Antiquare mit blendendem Erfolg am Werk sind. So extrem wie im Antiquariat kann man unlogische, unerklärliche Gegensätze und Abstufungen sonst kaum beobachten. Auch das Getöne von der genossenen Ausbildung scheint wenig aussagekräftig; wir waren uns in Freiburg schon vor 40 Jahren einig, daß die dümmsten, unsympathischsten Antiquare die mit kaufmännischer und/oder Neubuchhändlerausbildung waren. Weiß der Teufel, wieso das bis heute recht oft zutrifft, eine Erkärung dafür habe ich nicht.

Wohl aber bin ich mir heute, als Fazit unter dem letzten Strich im Hauptbuch meiner Auseinandersetzung mit den werten Kollegen, ganz sicher:

Es ist nicht sinnvoll, irgendwelche Rücksichten auf Wünsche und Eigenarten der Antiquare zu nehmen. Es hat keinen Sinn, darauf zu horchen, was sie wollen, was sie meinen. Wir erhalten bestenfalls typische Meinungsschwerpunkte aus den jeweiligen Schichten, aber nicht einmal das ist immer möglich.

Jeder, der irgendetwas "mit dem Antiquariat machen" möchte, wird also nicht auf Gruppen-, Vereins- oder Verbandsebene oder durch Umfragen, Abhören, Abtasten der werten Kollegen/innen versuchen voranzukommen. Das sind Irrwege, auf denen sich kaum einer mehr verirrt hat als ich.

Die K u n d e n, das haben wir zuletzt im Briefmarken-Aufsatz betont, sind in unserer Absatzstrategie weiches Wachs, eine bewegliche, verschiebbare, im guten Sinn "manipulierbare" Masse. Auf ihre Wünsche und Meinungen bnehmen wir scvhon deshalb keine Rücksicht, weil wir sie ja zu neuen, ihnen noch gar nicht bewußten Wegen und Arten des Sammelns hinführen und überzeugen wollen.

Ich schreibe diesen grundsätzlichen Text, weil ich spüre, daß sich manche Kollegen durch mein eigenmächtiges Vorgehen leise gekränkt fühlen. Da hat sich einer jahrelang um unsere Kooperation bemüht, und nun behandelt er uns als Luft?

So mag es scheinen. Aber anders kommen wir nicht weiter.

Es geht um den U m b a u unserer Käuferschichten, um die Neustrukturierung des Büchersammelns. Ganz praktisch, sehr naiv, mit beiden Füßen auf der Erde. Geist, Philosophie, Ästhetik und Kunst geben wir den Hasen.

Montag, 6. Dezember 2010

Die Grundthesen zum Webseitenverbund

Zusammenfassung der Grundthesen zum Webseitenverbund (Aufsätze 1-5)

Von 2010-12-06


Von 2010-12-06


Von 2010-12-06


Von 2010-12-06

Bildtechnik im Webseitenverbund - und anderes


An dieser Stelle möchte ich mich entschuldigen, daß ich mich noch immer nicht zu einer übersichtlicheren Darstellung des doch recht verwickelten Stoffs habe aufraffen können, der in den letzten fünf Folgen zum Webseitenverbund enthalten ist. Das ist eine Frage der Zeit, zum einen und des Fleißes, zum andern. Zeit habe ich in erfreulichem Maß zur Verfügung, jedenfalls bis zum nächsten Auslandsauftrag, aber ich neige von Haus aus zur Faulheit. Übersichten, Zusammenfassungen, möglichst noch graphisch aufbereitet, gehören zum Anstrengendsten. Ich möchte viel lieber historische Arbeiten zur NS-Zeit lesen oder alte Reichsbahnkursbücher - die ewige Didaktik und Pädagogik im unübersichtlichen Feld unseres Berufs hängt mir zum Halse heraus. Darf man das sagen?

Trotzdem will ich mich nach dem Mittagessen in der Universität, moralisch gestärkt durch das unternehmungslustige junge Volk in Mensa und Caféteria, an die Übersichtstafel machen. Hoffentlich ohne dann in jene akademischen Höhenflüge abzuschwirren, durch die mich Pardun und RFMeyer gestern zur Verzweiflung gebracht haben. Wer soll das verstehen? Mein armer alter Kopf kommt da nicht mehr mit.

Ich halte es mehr mit der Praxis und versuche überdies, deutsch zu schreiben (nicht böse werden, lieber Kollege Pardun). Ich muß mich ziemlich am Riemen reißen, um nicht eine Karl-May-Persiflage mit Parduns Vorstellung vom Antiquariat zu schreiben - könnte es sein, daß in Radebeul der Geist von Karl May webt und wirkt, jenes Dichters, der mir vor allem vom "Waldröschen" und von den "Himmelsgedanken" her vertraut ist, sapienti sat...

Vielleicht bin ich unfair und nehme Pardun einfach nur übel, daß er Gemeinschaftsarbeit o h n e die Gemeinschaft leisten will und keine Notiz nimmt von der Wirklichkeit in unserem Gewerbe? Da war mir Stormchen mit seinem Antiquariats-Anzeiger aber hundertmal lieber. Wo bleibt Kollege Paulitz - wir rufen Sie!

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Wir sahen, daß ein wichtiger Gesichtspunkt im Webverbund das großzügige, nahezu freie Einstellen von großen, aussagekräftigen Fotos sein wird. Bei Konvoluten kann die Fotografie umständliche, mühsame Titelaufnahmen ganz ersetzen, wenn nur die richtige Strategie angewendet wird, vor allem der A3-Scanner und/oder die scharfe, gute Pixelkamera können Wunder wirken. Zur Visualisierung des Antiquariats der Zukunft im Netz gehört aber auch die Ablichtung seltener, teurer Titel, die vielleicht sogar systematisch von der Einzelseite des Antiquars aus zur Versteigerung angeboten werden können. Dazu bei Gelegenheit mehr, denn natürlich müßte mit den berufsfremden Bücherportalen auch das Gewerbe der Auktionshäuser vom Webverbund übernommen werden. Der Antiquar im Webseitenverbund wird sein eigener Versteigerer, wenn eine Zentralseite, die auf sein Angebot verlinkt, entsprechend eingerichtet ist. Auch weil er so eine qualifizierte Kundschaft auf seine Webseite locken kann, die er ohne hochpreisige Titel nur mit Mühe kontaktieren könnte.

Steht das Foto, die Bildergalerie im Mittelpunkt der Antiquariatsdarstellung im Netz, dann muß eine

*einfache und zugleich qualitativ hervorragende Fototechnik

zur Verfügung stehen. Wir sprechen hier weniger vom Aufnahmegerät - hier wird ein hochwertiger, schneller A3-Scanner auf die Länge unentbehrlich sein - als von der Weiterverarbeitung des erstellten Fotos bzw. Scans.

Nach ausgedehnten Versuchen und Erprobungen bin ich, obschon alter IRFAN-Anhänger, bei der neuen Version von PICASA angekommen und halte Picasa in Verbindung mit dem Picasa-WEBALBUM für das mit Abstand am besten geeignete Bildverarbeitungssystem immer dann, wenn der Antiquar große, aussagekräftige Bilder in seine eigene Webseite einstellen will.

Der Weg dorthin ist zwar gratis (allenfalls berechnet Google geringfügige Hostgebühren in der 10-Euro-Gegend), aber wie bei allen Bildverarbeitungen geht die Chose unter ein bis zwei Stunden Einarbeitung nicht ab.

Sie melden sich bei Google an, sonst läuft bekanntlich gar nichts. Dann laden Sie sich Picasa auf den Apparat hoch, niemals von einer CD, sondern immer direkt aus dem Netz. Studieren Sie die Möglichkeiten zur Bildbearbeitung. In der Praxis brauchen Sie meist nur die automatische Bildoptimierung, das Beschneiden und die Verkantung nach links oder rechts. Also nicht anders als bei anderen guten Bildbearbeitungen (leider auch nicht einfacher).

Das Einladen Ihrer neuerstellten Fotos/Scans in/nach Picasa ist sehr schlecht gelöst, bis mans einmal verstanden hat, ist man Großvater. Sie müssen sich da durchbeißen. Um so einfacher ist dann das Hochladen in Ihr Picasa-Webalbum. Ich sage nur: Vergessen Sie Flickr... die Picasa-Webalben sind traumhaft gut organisiert, wollen freilich auch erkundet sein.

Nun kommt das Wichtigste: Sie finden etwas versteckt unter "Link zu diesem Foto" ein Klappmenu, das Sie je nach gewünschter Bildgröße einstellen und dann als HTML-Sequenz abkopieren können. Diese Sequenz fügen Sie dann in Ihre Webseite ein. Eine Sequenz sieht z.B. so aus: (> und < und http sind durch ... ersetzt)

...table style="width:auto;"......tr......td......a href="...://picasaweb.google.com/lh/photo/b_1UOtDmGqxX2YHZX5RUSw?feat=embedwebsite"......img src="...:https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhbFOVstIA6q2wiu6H8_ar72_xbARdvzmUDz9lS_hJjJ3Pg_Q-vjfOlZa16O5Ta-wuUdS6bbblEmsD1-LOcAPS3f4ViAGd5F74SlxDqpDGoy6bDZrcvyxLcn4fl2o2SQDA8-THTLODu_iCA/s800/a031.jpg" height="551" width="800" /....../a....../td....../tr......tr......td style="font-family:arial,sans-serif; font-size:11px; text-align:right"...Von ...a href="...://picasaweb.google.com/mulzerbooks/20101204?feat=embedwebsite"...2010-12-04.../a....../td....../tr....../table...

Es gibt keine bessere, stabilere, komfortablere Einbindung von Bildern in unsere neuen Webseiten!

Hier ein beliebiges Webseitenbild, ganz unbearbeitet eingestellt:

Von 2010-12-04


Sehen Sie sich ruhig mein Webalbum an, die Fotos sind freilich alle für flüchtige Ebay-Einträge erstellt worden, ich habe keinem Scan mehr als 30 Sekunden Zeit gewidmet. Fotos/Scans für Ihre Webseite werden Sie natürlich weitaus besser und sorgsamer fertigen.

Der Weg zum Webseitenverbund führt über die Darstellung und Einübung von einer Reihe von Schritten, die j e d e r Kollege nachvollziehen kann. Braucht er diese einfachen Crashkurse nicht, umso besser. Aber wenn der Antiquar sich endlich sein Gehäuse im Web bauen und einrichten will, wenn er sich befreien soll aus der Einzeltitelfron und der Datenbankgefängnissen, damit er im besten Sinn selbständig werden kann, dann müssen wir solche Fertigkeiten in den Mittelpunkt des antiquarischen Lehrstoffs stellen. Das ist auch eine Revolution, aber nicht die einzige, die dem Antiquariat bevorsteht, wenn es überleben will.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Neue Diskussionsgruppe zu diesem Blog

Werte Kollegen,

zum Meinungsaustausch über Rationalisierungsfragen im Antiquariat habe ich soeben eine kleine Diskussionsgruppe bei Google eingerichtet:

"Webverbund / Rationalisierung und Webseitenbündnis im Antiquariat" > http://tinyurl.com/2vtugu9

Der neue Webseitenverbund der Antiquare - jetzt!





Der Webseitenverbund Meyer/Kroko, Folge 5



Wie man weiß, stellt Google jedermann eine praktisch unbegrenzte Anzahl nahezu beliebig großer Blanko-Webseiten zur Verfügung. Diese Seiten erhalten eine eigene echte Webadresse (wenn auch nur innerhalb des Google-Systems), können also von überall her direkt angesprochen werden. Wer eine eigene URL hat, kann die Webadressen mit etwas Aufwand auch von Google ganz unabhängig adressieren, das ist aber, wie wir gleich sehen werden, im neuen Webseitenverbund unnötig.

Google-Seiten sind nun zwar eine recht pfiffige und sparsame Lösung, aber mir geht es weniger um Geldersparnis, sondern um einen Gedanken, der den Edelantiquaren in der Seele zuwider sein muß, den das mittlere Antiquariat meint nicht zu benötigen und die unteren Schichten unseres Gewerbes für schieren Luxus halten werden - kurzum ist es mir gelungen, mich mit meiner Empfehlung wieder einmal zwischen alle Stühle zu setzen.

Dieser verpönte Gedanke heißt: A l l e Kollegen jedweder Couleur müssen mit j e d e m vorgeschlagenen Weg zurechtkommen können. Lösungswege, die nur für einen Teil der Antiquare gangbar sind, kommen nicht in Frage. - Ich sehe die gequälten Gesichter der Edelantiquare vor mir, die ihre Webseiten längst bauen l a s s e n, so sie nicht, wie Kollege RFMeyer, Spaß am Eigenbau haben. Mir entgeht auch nicht, welche Herren zornig die Brauen heben, weil ich ihre Dienstleistungen, von der "Qualitätswebseite" genossenschaftlicher Prägung bis zu noch weit scheußlicheren Einheits- und Standard-Serienlösungen antiquarischer Webseiten sabotiere. Und die kleinen Kollegen sind sauer, derweil ich ihnen "nichts zutraue".

Nur gut, daß man einen bewährten alemannischen Dickschädel hat. Mich kümmert es nämlich absolut gar nicht, was da an Interessen beeinträchtigt wird. Ohnehin ist der Generalangriff gegen die großen Portale, den die kombinierten Ideen von RFMeyer und Kroko im Schilde führen, dort längst nicht unbemerkt geblieben. Ängstlich wird versucht, diese Überlegungen zu verhehlen, zu verschweigen. Nur nicht etwa darüber reden! Da sei Gott vor.

Also gilt die Devise, wenn man solche ketzerische Ideen durchbringen will: Augen zu und durch. Mehr als das Leben kanns nicht kosten. Die vielfältigen Interessen, die am bisherigen, alten Netz der Einzeltiteldatenbanken hängen, müssen unberücksichtigt bleiben, da sie a l l e auf der grotesk falschen Idee der Einzeltitelbestellung fußen. Sollen sie doch, zusammen mit diesem Wahngedanken, zugrundegehen.

Zurück zu den Google-Seiten. Sie bieten ein sehr beschränktes, auch für meinen Geschmack allzu versimpeltes Instrumentarium der Gestaltung. Dagegen kann der Kenner der Webseitensprache beliebig Code bis zu mittleren Schwierigkeitsgraden einbauen und wahre Wunderwerke aus seinen Googleseiten basteln - aber darum geht es mir nicht, sondern um das bereitgestellte Standardangebot aus dem Hause Google, wo sie recht gut wissen, was der Bauer in Nebraska und die Ärztin in Neuseeland an Internettechnik beherrschen - und was nicht.

Sie erinnern sich (vergleiche die Folgen 1 und 2 dieser kleinen Serie), wie das Grundschema aussieht. Der Antiquar hat seine bisherige Webseite, die er unverändert weiterführen kann oder sie den neuen Verhältnissen anpaßt. Wenn er aber bisher keine hat - das trifft im unteren Bereich zu ca. 2/3, im mittleren immer noch zu rd. 1/3 zu -, dann rate ich ihm dazu, sich bei Google einen B l o g einzurichten. Das ist eine ganz gescheite, in jeder Hinsicht praktische und überdies kostenlose Art und Weise, aus dem Nichts eine doch recht hübsche "eigene Webseite" einzurichten. Natürlich nur als Behelf, bis dem Kollegen eines Tages die individuell gebaute Webseite möglich sein wird. Reiche Bebilderung und eine immerhin ganz hübsche Gestaltungsvielfalt ist in den Google-Blogs möglich. Andere Blogtypen zu wählen ist aus mehreren Gründen (die ich bei Gelegenheit gern einmal erörtere) für den angestrebten Zweck hier nicht so günstig.

Von der bisherigen Webseite oder dem neuen Webseiten-Blog aus wird nun verlinkt auf eine Vielzahl von Google-Seiten. Jede dieser Seiten hat, wie schon erwähnt, ihre e i g e n e URL (Webadresse) u n a b h ä n g i g von der bestehenden Webseite bzw. vom neuen Blog. Jedes Thema, zu dem eine kleine oder größere Angebotsliste erstellt wird, bekommt eine s e p a r a t e Google-Seite. In kurzer Zeit verfügt ein mittlerer Antiquar so über 30-50 Google-Seiten, jede mit eigener Webadresse.

Der Vorteil meiner Methode besteht in zweierlei. Erstens kann der Antiquar jede Ergänzung, Erweiterung, jedes Löschen verkaufter Titel, jede nachträgliche Bebilderung usw. an der thematisch zutreffenden s e p a r a t e n Google-Seite vornehmen. Das ist eine ganz ungeheur praktische Möglichkeit! Denn das ständige Ergänzen und Herumkorrigieren in großen zusammenhängenden Webseiten wäre, sofern man aus dem Prokrustesbett der alten Datenbankstrukturen ausbrechen will (und das wollen wir), fürchterlich kompliziert und eigentlich unzumutbar.

Der zweite Vorteil, nicht minder wichtig, besteht darin, daß die Google-Einzelseite, also die kleine oder größere Fachliste mit oder ohne Bilder, ganz elegant und problemlos v e r l i n k t werden kann mit jener Zentralseite, von der aus die Kunden ja erst aus der gesamten Sachgebietsübersicht (der rd. 100 Sachthemen) nacheinander zu den Einzellisten gelangen. Meine Methode ist von beiden Seiten her ideal.

Weitere Einzelheiten, etwa über die notwendigen Links hinüber zur eigenen Webseite und zurück zur Zentralseite, über das Bestellformular auf jeder Google-Seite usw. habe ich schon in den vorherigen Folgen angesprochen.

Es ist sinnvoll, wenn wir uns hier um Detailfragen abmühen. Aber vergessen wir nie die große Linie, von der die vorangegangenen Folgen handeln. Nachdem wir uns 15 Jahre bemüht haben, i n die Datenbanken zu kommen, müssen wir nun wieder h i n a u s kommen. Lassen wir uns dabei nicht stören durch die vielfältigen Gegeninteressen, die sich in 15 Jahren um dieses Datenbank(un)wesen weltweit gerankt und gesponnen haben. Wir wissen, daß wir recht haben:

Der Kunde sucht, auch wenn er das selber nicht glauben mag, in Wahrheit und fast immer einen oder mehrere nicht präzise bestimmte Titel einer ihm nicht präzise bewußten Art aus einem immerhin recht präzis gekannten Sachgebiet. Was er uns sagt, ist "Architekturbuch um 1900" oder "Einführung in die Rechtswissenschaft um 1940" oder "Lyrik-Anthologie um 1930" oder "ich möchte was lesen über Zauberei, mit Bildern" oder "ich sammle Mädchenbücher vor 1900" oder "vielleicht baue ich eine Heimatsammlung über Ostfriesland auf" oder "ich such was zur Buchgeschichte, nicht zu schwer". Solche Vorhaben (von "verschiener Art Diffusität" - oh Soloantiquar, das wäre ein gefundenes Theorie-Fressen für dich) machen 90 % der Suchanfragen aus, konkrete Einzeltitel werden strategisch betrachtet und nicht faute de mieux - nur in etwa einem Zehntel der Fälle gesucht. Für 90 % der Suchanfragen ist der Webseitenverbund System RFMeyer/Kroko weitaus geeigneter.

Aber es geht ja noch um mehr. Lesen Sie die vorherigen Folgen, dann erkennen Sie, daß die Arbeitweise des Antiquars, seine Lagerungs.- und Angebotsart radikal verändert werden muß, daß es um g a n z h e i t l i c h e s Arbeiten im Antiquariat geht, daß sich vom Kunden her neue Horizonte eines Büchersammelns auf Vollständigkeit hin ergeben - - und daß die Bücherdatenbanken das, schon wegen ihrer Profitorientierung auf das Abschöpfen/Abrechnen konkreter Einzeltitel hin, nie werden leisten können. Von der wiedergewonnenen Würde des Antiquars, vom Fluch der Serien-Einzeltitelbearbeitung, von der bedröppelnden gigantischen Verschwendung im Einzelbuchversand, vom Vergnügen des Antiquars an eigener Webseite als "virtuelles Ladenlokal", an eigenen Kundenkontakten, von der Befreiung vom Gängelband fremder Profitdatenbanken sprachen wir ja schon.



Daniel Düsentrieb ist urheberrechtlich geschützt. Ich danke für die Ausleihe.

Samstag, 4. Dezember 2010

Ganzheitliches Arbeiten im neuen Antiquariat - Konvolut und Einzelstückinszenierung




(Der Webseitenverbund Meyer/Kroko Nr. 4)



Redakteur Biester vom Börsenblatt-Netzdienst frägt seine Leser, was der Begriff "Auch-Antiquar" meine und weckt damit, ich verwette meinen alten Hut, nichtsahnend wieder einmal alle bösen Geister bei den Antiquaren auf, die nichts lieber tun als auf vermeintlich berufsfremden steuerabstinenten Randfiguren unseres Gewerbes herumzuhacken. Manchmal frage ich mich, ob er die Antiquariats-Szene, über die er zu berichten hat, nicht als Nähverein älterer Damen und Ästhetenrunde abgehobener Bibliophiler auffaßt. "Laßt uns mal nett plaudern über schöne Bücher, lauschige Ladenantiquariate und edle Messen".

Da befällt ihn natürlich der große Schrecken, wenn Mulzer am Horizont auftaucht und die Idylle stört. Nun war doch gerade so schön Ruhe... Was könnte Biester mit seiner profunden Kenntnis aller Antiquariatszweige bewirken, wäre er nicht so furchtsam, würde er nicht derart offenkundig dem Kreis der Edelantiquare zugeneigt sein. Ich habe den leisen Verdacht, daß er noch nie in seinem Leben einen echten Privatankauf mit Hausbesuch auf Inserat hin erlebt hat, daß ihm die untere und vor allem die mittlere Praxis unserer Kollegen gefühlsmäßig fremd ist. Das ist zu bedauern. Muß es so bleiben?

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Zu dem großen, sehr törichten und offenbar unausrottbaren Irrtum, daß unsere Kunden vorwiegend bestimmte einzelne Titel begehren und suchen würden, kommt ein weiterer, über den lang nicht mehr gesprochen worden ist - auch weil w+h für über 500 Antiquare das Bibliographieren auf Knopfdruck automatisiert hat. Wozu da noch nachdenken?

Wer unter unseren Kunden will denn eigentlich jene klassische Titelaufnahme, die wir abliefern (oder doch nach herrschender Lehrmeinung abliefern sollten) ? Findet da nicht in Wahrheit ein absurder Spitzentanz statt, eine groteske Massenonanie, ein lächerlicher und würdeloser Selbstbetrug bildungsheuchelnder Kunden und dienstbeflissener Antiquare?

Natürlich brauchen wir, um unsere edlen bibliophilen Kollegen und Kunden flugs beruhigt zu haben, im Bereich der teuren, der komplizierten und sehr kniffeligen Titel immer eine exakte Titelaufnahme und Buchbeschreibung. Jeder Antiquar muß das können.

Aber er muß seine Fähigkeiten nicht dort anwenden, wo sie im Mittel- und im unteren Feld ganz einfach unnötig erscheinen wie ein Kropf. Im Bereich der Bücher unter etwa 20 Euro, also bei rund 90 % unserer Titel, müssen wir uns Gedanken machen über eine radikale Vereinfachung unserer Buchbeschreibungen. Ich stehe nicht an, hierfür den Speerschen Begriff der E n t f e i n e r u n g anzuwenden, auch wenn es sich hier nicht um Kriegslokomotiven handelt (Kollege Dumjahn, ich grüße Sie), sondern um Standardtitel.

Dazu müssen lockere Standards ausgehandelt und vereinbart werden, auch das ist eine der Gemeinschaftsaufgaben, die wir qua Zersplitterung der Berufsorganisation nicht zuwege bringen. Unsere neue Sachgebietsabfrage der Einzelwebseiten ermöglicht da nun einen ersten Einstieg auf dem Umweg über die Konvoluttechnik.

Der neue Antiquar, Herr seiner eigenen Webseite, nicht mehr Sklave der Einzeltitel-Datenbanken, ändert natürlich auch seine innere Geschäftsorganisation. Jeder Ankauf und das gesamte alte Lager wird in die empfohlenen rund 100 Sachgebiete eingeordnet. Der Antiquar ist jetzt Verwalter einer gigantischen K ä s t c h e n - Landschaft.

Diese Vor- und Feinsortierung steht im Kern der neuen antiquarischen Arbeit, wie sie sich durch den RFMeyer/Kroko-Webseitenverbund ergibt. Am Rand ist zu bemerken, wie töricht streckenweise die "klassische" Antiquariatsausbildung nach Schema Wendt und (ich fürchte) auch die Frankfurter Schulungen bisher gewesen sind. Denn der Antiquar der Zukunft muß in erster Linie ein genialer Organisator sein. Er fängt wie ein Staubsauger das schreckliche Durcheinander der Buchnachlässe auf, teilt es in rund 100 Sachrubriken ein - eine hochqualifizierte Arbeit schon deshalb, weil sie blitzschnell geleistet werden muß - und bietet die Ware dann nach Sachgebieten an.

Bessere Titel muß er, ohne sie immer nachzuschlagen, aus dem Kopf und/oder dem Gefühl erkennen und sie einzeln anbieten. Oft aber wird er nun endlich auch wieder auf die in der D a t e n b a n k d i k t a t u r ganz verlernte

K o n v o l u t t e c h n i k

zurückgreifen. Mit der neuen Sachgebietsanfrage kann er auf seiner Webseite endlich wieder Sachkonvolute anbieten. Das hat mehrere Vorteile. Der Kollege arbeitet weitaus o r g a n i s c h e r als beim fürchterlich nervenden Eingeben diverser Einzeltitel in Serie (wie bewundere ich Koll. Wimbauer, wenn er nächtelang Einzeltitel eingibt und auch noch darüber twittert, vergnügt berichtet und nicht wie ein Gekreuzigter über die Stadien seiner Qualen). Es macht zum zweiten nun auch dem Kunden einen größeren Spaß, wenn er sich mit den Konvolut-Angeboten seines Antiquars beschäftigen kann - ein geradezu intimer Dialog zwischen Antiquar und Kunde entsteht dadurch, ohne daß Worte zu wechseln sind.

Wenn ich 10 Titel zu "Thomas Mann und sein Umfeld" oder zu "Eigenheim, Bausparkasse, Wohnungsbau 1950-1980" anbiete, mit Kurztiteln, den Konvolut-Preis über den Daumen gepeilt, zwei Scans dazu, ein launiges Sätzchen über Nierentische - dann ist das eine völlig neue Internetwelt auch für den Kunden. Und sowieso für den Antiquar, der wie der Volvo-Arbeiter nicht mehr am Fließband, sondern ganzheitlich am Wagen arbeiten darf.

Daß ohnehin unsere Versandmisere zur Konvolutbildung einlädt, liegt auf der Hand - die Portokosten sind ein immer unterschätzter Bremsfaktor im Altbuchabsatz. Konvolute per Hermes-Paket oder mit DHL-Marken sind einfach billiger zu versenden, schneller zu verpacken, eleganter zu fakturieren.

Wir sollten dem Kunden schon zutrauen, auch Doppelstücke zu erwerben. Unsere Kunden hatten vor Jahren sehr oft ein kleines, recht geschicktes Doppeltitel-Management zuhause eingerichtet, das wird sich wieder erwecken lassen als guter Brauch des Büchersammlers, der gern Konvolute erwirbt.

Die besseren Einzelstücke aber muß und kann der Antiquar im neuen Webseiten-Sachgebietsabfragesystem jetzt ausführlicher bearbeiten. Die Google-Pages lassen ihm b e l i e b i g Raum zu Beschreibungen, Kommentaren, hier darf er nun auch - ein wichtiger Punkt - anders als in den Datenbanken L i n k s zu Wiki- und anderen Seiten nach Herzenslust einstellen. Er wird aus jedem guten Einzelstück also ein kleines, durchaus individuelles Auftrittsfestchen machen - hier gilt ja nun keine Datenbank-Normierung mehr, er hat freie Hand.

So sind Konvolutbildung und f r e i e Einzelstückbeschreibung zwei kleine, aber wichtige Bausteine des neuen Systems.


Nachschrift: Das liebe ich an der deutschen Sprache: "Webseitensachgebietsabfragesystem"

Das Foto gehört stadtgespraeche.com.

Freitag, 3. Dezember 2010

Wie die Antiquare ihre Selbstbestimmung zurückgewinnen


(Webseitenverbund nach System Meyer/Kroko Teil 3)


In den vorausgegangenen zwei Beiträgen habe ich uns langsam an den Kern herangeführt, um den es geht. Ohne solch langwierige Wanderung würde man nicht verstehen können, was ich nun zum Abschluß der kleinen Serie festhalten möchte:

Die Antiquare haben ihre W ü r d e heute weitgehend verloren. Schuld an diesem Verlust an Ehre, an Selbstbestimmung, an eigener und fremder Wertschätzung sind allein die Datenbanken. Die Vereinzelung des Buchangebots in den Verkaufsportalen - in selbstorganisiertenden wie tomfolio.com, rarebooks.fr oder antiquariat.de wie auch in den berufsfremden - läßt den Antiquar als Hampelmann, als unmündiges Kind, als hilfbedürftigen Idioten dastehen, f ü r d e n verkauft werden muß.

Wie furchtbar der damit zusammenhängende Imageverlust ist, kann ich bei meinen Ankaufskunden immer wieder beobachten. Sie bieten mir Bücher an, ohne selber Sammler oder Käufer alter Bücher zu sein, und da es sich oft um Akademiker handelt, auf deren Urteil man etwas geben darf, bin ich stets von neuem erstaunt und erschreckt darüber, wie verständnislos sie dreinblicken, wenn ich ihnen sage, daß ich meine Titel als Antiquar fast nur über mehrere große Verkaufsportale anbiete. Je präziser sie nachfragen, je genauer ich ihnen den Verkauf über ZVAB, Ebay, Amazon usw. schildere, je deutlicher ich ihnen die Praxis der deutschen Antiquare beim Listenausfertigen, Datenbankaufliefern und bezüglich der Kosten erkläre, desto enttäuschter und verständnisloser schauen sie mich an.

Es ist für Außenstehende reinweg unbegreiflich, daß sich fast alle deutschen Antiquare in eine etwa 90%ige Abhängigkeit von fremden Verkaufsportalen begeben haben. Der Absatz aus den klassischen Antiquariats-Webseiten ist ja derzeit noch weiter im Sinken begriffen, ohne die Verkaufsportale kann kaum noch ein Kollege überleben.

Damit ist der Antiquar zurückgefallen in den Zustand eines abhängigen Wickelkindes. Die Antiquare sind in einer beschämenden Unmündigkeit befangen, die noch vor 15 Jahren unvorstellbar gewesen wäre.

Es geht dabei weniger um die Gebühren, die beim Absatz über die Verkaufsportale entstehen - vielmehr quält uns die psychologische Misere, die abgrundtiefe S c h a m, die wir als Berufsstand empfinden müssen, weil wir uns in servile, hilflose Abhängigkeit begeben haben.

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Nun war es bisher ja so, daß uns ganz einfach kein Ausweg aus dem schmachvollen Debakel eingefallen ist. Ich nehme mich da nicht aus. Ich hatte monatelang die RFMeyersche Webseiten-Bündnisidee mit mir herumgetragen wie das Känguru sein Junges, ohne daß mir viel dazu eingefallen wäre. Ich spürte aber: Hier liegt eine wichtige Lösung verborgen, du weißt nur nicht wo und wie.

Der Lösungsweg ergab sich weniger durch Theorie als aus ganz praktischen Ergebnissen von V e r s u c h e n. Man muß gerade in Internetfragen immer wieder hin- und herprobieren, es ist da auch viel Mechanisches, Manuell-Praktisches im Spiel.

Der Lösungweg läuft, wie wir in den Folgen 1 und 2 der Serie gesehen haben, über diese Stationen:

*der E i n z e l- Verkauf unserer Titel, das Einzel-Angebot alter Bücher ist ein Irrtum, ein falscher Gedanke. Nur wenn es sich um Versteigerungstitel handelt oder wenn, was weitaus seltener vorkommt als wir bisher glaubten, n u r ein ganz bestimmter Einzeltitel gezielt gesucht wird, nur dann also wird das Einzeltitelangebot seinen Platz behaupten. Ich schätze, daß der Portalverkauf als Einzeltitel auf etwa 10 % zurückfallen wird, daß unsere Listenangebote über die Webseiten 90 % abdecken werden, wenn wir die neue Strategie Meyer/Kroko anwenden.


*die H a u s - Webseite des Antiquariats muß in Zukunft weitaus sorgfältiger und umfangreicher ausgebaut werden als bisher. Jeder Antiquar tritt der Kundschaft persönlich entgegen mit Portrait, Lagerfoto, Glaubensbekenntnis und "Philosophie".

*die neue zentrale Schlüssel- und Verlinkungsseite wird der erste Ansprechpartner a l l e r Büchersammler und Altbuchkäufer. Der Besuch in den Listen- und Katalogfeldern der Webseiten und danach der Besuch des allgemeinen Teils und der anderen Sachteile der Hauswebseiten wird zum Königsweg für jeden Kunden.

*die Antiquare haben an Stelle ihrer Läden ihre "betretbaren" Hauswebseiten, durch die sie ihren Kunden v e r t r a u t werden. Es kommt wieder zu persönlich gefärbten Email-Korrespondenzen. Jeder Antiquar lernt es, die Käufer an sich zu binden, mit ihnen zu "sprechen".

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Wir haben es hier nicht mit Zukunftsmusik, nicht mit Spekulationen zu tun, sondern mit einem sofort und aus dem Stand realisierbaren Arbeitsvorhaben.

Was wäre von den Antiquaren dazu zu tun -am besten sofort, aber auch erst nach und nach (das Modell gefällt mir auch deshalb so gut, weil es unvollkommene, zögerliche Mitarbeit integriert und in Rechnung stellt, weil es trotz aller Faulheit und Obstruktion funktionieren kann) ?

Jeder Antiquar sollte in der Selbstdarstellung auf seiner Homepage persönlicher werden. Er muß sich immer sagen, daß er ja jeden Besucher, der von der Zentralseite zunächst auf die Themenseite seines Antiquariats gelangt und sich (hoffentlich) neugierig von dort auf die eigentliche Homepages des Geschäfts geklickt hat, als Stammkunden gewinnen möchte. Dazu wird noch viel zu schreiben, anzuregen und vorzuschlagen sein.

Vermutlich wäre der jetzt schon belämmernd wirkende "Ausweg" über vorgefertigte, standardisierte Webseiten für Antiquariate ganz kontraproduktiv. Was andere Berufe längst leisten mußten, nämlich ausführliche, persönliche Webseiten zu bauen, das muß auch der Antiquar fertigbringen, der sich bisher zurückzulehnen pflegte im Gedanken "ich verkaufe ja über die großen Portale".

Ferner - und das ist eine große Chance, die es zu nutzen gilt - hat der Antiquar jetzt wieder auf seinen Sachgebietsseiten die Möglichkeit, mit Scans, Fotos, erklärenden T e x t e n etwa zur Situation eines von ihm gepflegten Gebiets und persönlichen Anmerkungen zu arbeiten - frei und nicht mehr in das Zwangsbett der Datenbanken gepreßt.

Von der Arbeitstechnik her wird er wieder vermehrt lernen, auch bei ganz einfachen Verhältnissen, sein Lager nach Sachgebieten zu ordnen und den Bestand nach Schwerpunkten zu p f l e g e n. Das bringt rasch einen tiefgreifenden Wandel der Arbeitstechnik bei den meisten Kollegen mit sich.

Der inneren, betrieblichen Umgestaltung entspricht das Erstarken des heute ganz runierten antiquarischen Selbstbewußtseins - der Antiquar wird ja jetzt wieder Herr seines Absatzes, gewinnt ein Stück Eigenverantwortung zurück. Die Einzeltiteldatenbank wird auf kümmerliche Prozentzahlen zurückfallen.

Wer würde ihr eine Träne nachweinen?