Freitag, 3. Dezember 2010

Rückkehr zur Einzelwebseite: Risiken und Nebenwirkungen



(Webseitenverbund nach System Meyer/Kroko Teil 2)



Praktische Versuche bringen oft mehr als leichtfüßig vorgetragene Theorien. In diesem Sinn habe ich heute morgen zwei Bereiche, nämlich Buchwesen und Mathematik, aus einer Reihe von Kollegen-Webseiten in Google-Pages umgewandelt und von einer zentralen Übersichtsseite her verlinkt.

Je nach Aufbau der Antiquariats-Webseiten ist das Umwandeln der betreffenden Webseitenteile in eine Google-Seite nicht ohne Anwendung (freilich bescheidener) Kniffe und Tricks möglich. Biederes HTML können wir gut transferieren, die bei manchen Kollegen inzwischen eingefressenen, überwiegend albernen und unnötigen Flash - usw. Tricks aber bleiben dabei auf der Strecke. In solchen Fällen müssen wir, was einige Minuten Redigierzeit erfordert, die Titelaufnahmen als einfache Texte herüberkopieren.Das hat zur Folge, daß sich ein etwas monotones Satzbild ergibt.

Weitaus monotoner aber ist die Auswirkung einer Methode, die ich, der Leser weiß es, nicht anstehe, als gelinde Roßtäuscherei zu bezeichnen. Vor allem - aber nicht nur - die Anhänger unserer genossenschaftlichen Datenbank haben es sich leicht gemacht und in ihre Webseiten, mehr oder minder verhehlt, schlicht und ergreifend Ausschnitte aus ihren Einträgen in der großen allgemeinen Datenbank eingefügt, richtiger gesagt werden bei jedem Zugriff die aktuellen Datensätze der betreffenden Einzelfirma aus der Gemeinschaftsdatenbank präsentiert. Die hätte der verdutzte Besucher ja auch dort, im Portal selbst, abgreifen können - dazu war er nicht zur Antiquariatswebseite gekommen.

Aber neben diesem eher moralischen, die Berufsehre der Kollegen betreffenden Punkt ist die quälende Monotonie solcher Datenbank-Generierungen ein Problem. Mir fällt kein Rezept ein dagegen; wenn die sinnfrei gepunkteten Datensätze auftauchen, weiß der Leser eben, daß er wieder einmal nur Datenbankauszüge vorgeführt erhält. Das enttäuscht.

Trotzdem können wir damit leben, denn die Zusammenführung einer Mehrzahl von Kollegenseiten ist dann eben doch anregend, und ich war - ein Beispiel - sehr angetan von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Angebote zum Thema "Buchwesen" von Rieger/Freiburg und Meyer/Berlin. Beide von mir für sie erstellte Google-Seiten animieren den Leser, sich die gesamte Webseite anzusehen, ich war erstaunt über die Aussagekraft sowohl der Titelaufnahmen als auch der jeweils dahinterstehenden Philosophie.

Daß das Modell Meyer/Kroko etwas sehr entlarvendes hat, damit muß man leben. Wir treten damit der Arbeits- und Denkweise der Kollegen nahe, gerade im Vergleich découvrieren sich die Kollegen, das Ganze erinnert mich an eine Art antiquarischen Ganzkörperscanner. Wenn dann noch, was ich für selbstverständlich halte, die laufenden Sachgebiets-Angebote der Versteigerer hinzutreten, dann ergeben sich ganz neue Transparenzen innerhalb eines Sammelgebiets wie auch in der Antiquariatsszene.

Der Überblick, den der Kunde durch unsere Methode erhält, ist weitaus schärfer, als wenn nur eine einzelne Webseite konsultiert würde. Im V e r g l e i c h entblättern und entblößen sich die werten Kollegen ganz erstaunlich, Spreu scheidet sich vom Weizen. Wobei ich nicht so sehr die äußere Gestaltung der Webseiten meine, zwischen denen der Kunde nun thematisch wandern kann, sondern die Kommentare, die Aufgliederung und den geistigen und menschlichen Hintergrund, den der Kunde, einem neugierigen Detektiv nicht unähnlich, mit Genuß enthüllt - allein mit unserer Methode des unmittelbaren Klick-Vergleichs.

Fazit des Versuchs: Die Methode gibt weit mehr her, als ich gedacht hatte. Aber nicht immer wird die bisherige, ungeschriebene Rangfolge der Kollegen unangetastet bleiben können aus dem Blickwinkel unserer Kunden, die nicht auf den Kopf gefallen sind.



Das Foto gehört welt.de; wird auf einfache Aufforderung hin entfernt.

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