Donnerstag, 2. Dezember 2010

Webseitenverbund nach System Meyer/Kroko




Der Grundgedanke des Webseitenverbunds wurde erstmals konkret entwickelt und dargestellt von RFMeyer. Das bleibt sein Verdienst auch dann, wenn er, wie es mir scheint, sein Kindlein derzeit eher verleugnet als fördert. Ich habe ihn nach einer ersten, etwas zu hastigen Kritik seither beständig gelobt dafür, nicht ohne hinzuzufügen, daß der Ausbau, die Ausgestaltung seiner Grundidee endlich vorangetrieben werden müsse.

Ich habe mir nun hierzu einige Gedanken gemacht auf der Grundlage praktischer Versuche..

Ohne ein Quentchen Theorie geht es aber auch hier nicht ab.

Es gehört seit etwa 15 Jahren, seit den Anfängen des ZVAB, zu den absurdesten, lächerlichsten Zwangsvorstellungen im Antiquariat, daß der Kunde E i n z e l titel suche. Für uns war es - von den versteigerungsfähigen Seltenheiten abgesehen - bis dahin selbstverständlich, dem Kunden Sach g e b i e t s listen anzubieten. Wir sprachen es so nicht aus, hatten es aber im Hinterkopf, daß unsere schönste und beste Kunst sei, den Sammler zu verführen durch unsere Angebote zum Erwerb solcher Bücher, die er noch gar nicht kannte oder die er längst vergessen hatte. In dieser Verführung lag immer auch ein Gutteil Freude am Überraschen, am Beibringen von Unerwartetem. Die Fachliste, der Katalog war unser liebstes und gefreutestes Arbeitsinstrument im Antiquariat.

Nun waren die Bücherdatenbanken von Anfang an in der Verlegenheit, daß sie qua Konstruktion immer nur von Einzeltiteln ausgehen konnten. Das künstliche Ansammeln einer Vielzahl von Einzeltiteln in den Verkaufsportalen zu "Sachgebietslisten" oder "Stichwortlisten" war - und ist bis heute - höchst unvollkommen, ziemlich unbrauchbar und untauglich. Man sehe sich da einmal die peinlich-lächerlichen Versuche des ZVAB an, seine artifiziellen Sachlisten dem Leser schmackhaft zu machen. Es geht einfach nicht! Spätenstens nach dem Herunterscrollen durch 10 wild gemixte "Fachlisten"-Seiten bei unseren Bücherdatenbanken gibt der Kunde auf.

Trotzdem kehrt er nicht gern zurück zu den Fachlisten einzelner Kollegen, die ja weiterhin fleißig erstellt und an die Kunden versandt werden. Es fehlt ihm der Vergleich, das demokratische Instrument der Parallelangebote einer Mehrzahl von Antiquariaten, er will nicht mehr von der alten Katalogform einzelner Antiquariate abhängig sein.

In dieser schwierigen Lage - weder das Einzeltitelangebot der Portale noch der Einzelkatalog "seines" Antiquariats befriedigt den Kunden - ist RFMeyers Idee des Webseitenverbunds tatsächlich genial. Wir sagen dem Sammler, daß er jetzt wieder individuelle Angebote der Antiquare bekommen kann und zugleich die Überschau, die Kontrolle, den freien Vergleich unter einer Vielzahl von Antiquariaten hat.

In Klammern bekenne ich, daß ich das Gesäusele von den "Qualitätsangeboten" der "Qualitätsantiquare" für Unfug halte - dieser Teil von RFMeyers Idee war ein Holzweg. Ein weiterer Irrweg scheint mir die Begrenzung auf wenige ausgewählte Antiquariate zu sein.

Wie wäre es denn, so nun meine Weiterentwicklung, wenn wir viele, eigentlich sogar alle Kollegen, die bestimmte Minimalanforderungen erfüllen, in einen Webseitenverbund einfügen würden? Einige schier unüberwindliche Hindernisse auf diesem Weg glaube ich heute überwunden zu haben.

Wenn ich die Fachlisten aus 15, 30, 100 Antiquariatswebseiten dem Kunden thematisch abfragbar zeigen will, dann muß man, davon gingen wir alle bisher aus, höchst komplizierte Instrumente in jede der vielen Webseiten einbauen. Ich erspare mir hier nähere Erläuterungen, da die Materie sehr kompliziert ist. Uns muß genügen zu wissen, daß es auf diesem Weg, durch Präparierung der Webseiten, mit vernünftigen Kosten einfach nicht machbar ist.

Was ist nun die neue Idee im Kern?

1)
Jeder Antiquar setzt seine kleinen oder großen Fachlisten, thematischen Katalogteile oder sonstigen nach Themen abrufbaren Angebote in eine Google-Seite. Die bekommt er in praktisch unbegrenzter Anzahl gratis zur Verfügung gestellt. Listen, auch mit einigen Abbildungen, lassen sich dort völlig problemlos einkopieren, das ist eine Sache von wenigen Minuten. Jedes Thema, jedes Sachebiet, das ist der springende Punkt, bekommt eine eigene, besondere Google-Seite und damit auch eine eigene Webadresse (URL). Ein durchschnittlicher Antiquar mag 20, 50 oder 100 verschiedene Google-Seiten und ebensoviele URLs haben.

2)
Diese Seiten werden, schön aufgedröselt nach den Sachgebieten, in eine zentrale Seite verlinkt. Diese Seite ist das Herzstück des Webseitenverbundes. Dort sind etwa 100 Sachgruppen in übersichtliche Farbfelder eingetragen. Gehen von jedem Themengebiet etwa 20 Links aus zu den Google-Seiten der einzelnen Antiquare, dann verfügt die Zentralseite über 2000 Links. Das scheint mir das Minimum für vernünftiges Arbeiten zu sein.

Man muß nun, das sollte man noch diskutieren, entweder durch eine Frame-Variante oder mit anderen Techniken eine Rückkehrmöglichkeit von der einzelnen Googleseite zum Herzstück einbauen, besser noch das Weiterschreiten zur nächsten Seite ermöglichen.

Der Kunde sieht in der Zentralseite jeweils nur die Titelzahl und den Kurznamen des Antiquars zur Verlinkung, zum Beispiel:

EISENBAHN
*Schröder (12)
*RFMeyer (34)
*Dumjahn (820)
*Schäfer (22)
Er arbeitet die Links nacheinander ab.

3)
Ein weiterer Wahn, in die Welt gesetzt durch die Lobby unserer Datenbanken, ist es, dem Kunden abzusprechen, so zu bestellen, wie er es seit 200 Jahren getan hat, nämlich durch einfaches Aufschreiben von Verfasser, Kurztitel und Preis. Ich halte die ganze Warenkorbpraxis im Antiquariat für Schmonzes, aus mehreren Gründen. Deshalb schlage ich folgendes Verfahren vor:

Jeder Kollege hat ein ganz einfaches, gratis in xy Varianten aus dem Netz zu beziehendes Modul zur Hand, mit dem er es dem Kunden ermöglicht, ihm direkt zu schreiben. J e d e einzelne Google-Seite enthält also diesen Briefkasten. Der Kunde schreibt Verfasser, Kurztitel, Jahr und Preis listenmäßig hinein und schickt den Bestellbrief an den einzelnen Antiquar ab. Notabene hat also Antiquar Mulzer, sagen wir 25 Google-Listenseiten mit 25 Briefkastenmodulen.

Ein weitere Wahn betrifft das Insistieren auf Vorkasse, "weil es so viele böse Kunden gibt". Jeder erfahrene Kollege wird mir zustimmen darin, daß Inlandslieferungen in 99 von 100 Fällen auf Rechnung sehr gut laufen und daß die Pflege von Kummerkind-Dateien ausreicht, um sorgenfrei gegen Rechnung auszuliefern, jedenfalls bei Titeln unter 50 Euro im Inland.

Die Pflege der Zentralseite dürfte täglich eine halbe Stunde Zeit beanspruchen und ehrenamtlich zu leisten sein. Sonst kann man je aufgenommener verlinkter Google-Seite 50 cents einsammeln, oder so ähnlich.

Der Kollege sollte seine Listen in wöchentlichem Turnus bereinigen. Kommt es trotzdem zu vergeblichen Bestellungen, dann ergibt sich, bei freundlicher(!) Korrespondenz, gerade dadurch oft ein netter Kontakt.

Selbstverständlich kann und wird der Kunde von der verlinkten Googleseite zur Webseite des Antiquars wandern können und dürfen. Es ist dann Ehrensache für jeden Teilnehmer, durch deutliche Vermerke die Rückkehr zur Sachgebiets-Link-Zentralseite zu ermöglichen.

Wir erreichen durch dieses Modell, das man "Webseitenverbund nach System Meyer/Kroko" nennen könnte, folgendes:

- die sehr unterschiedlichen Titelaufnahmen und Webseitengestaltungen der Antiquare können unverändert eingebunden und genutzt werden,

- der Besuch der bisher arg vernachlässigten und oft halbvergessenen Antiquariats-Webseiten wird intensiviert,

- die Kunden wie auch die Antiquare werden veranlaßt, mehr als bisher Fachlisten zu nutzen bzw., zu erstellen,

- ohne nennenswerte Kosten erhalten die Antiquare eine neue Verkaufsschiene,

- auf mittlere Sicht kann die Macht der - gewerbefremden - Datenbanken gebrochen werden, da sie das Modell nicht nachahmen können, ohne ihre Grundstruktur zu ändern: Sie m ü s s e n zum Abkassieren die Kontrolle über den E i n z e l - Titel behalten.

Ans Werk!



Der Umschlag-Scan gehört www.schneidi.com

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