
Die folgenden Texte aus der Klett-Cotta-Webseite, Stand 8.12.2010, sind leider traurige Wirklichkeit - und nur ein kleiner Ausschnitt aus dem reichen Fundus an mißhandelten Sätzen, die sich in der "neuen" Webseite finden.
"15 Tage verbrachte der italienische Journalist Daniele Mastrogiacomo im Jahr 2007 in Geiselhaft bei den Taliban. Weder sein Fahrer noch sein Übersetzer überlebten die Entführung."
Vermutlich überlebte der Übersetzer nicht, weil er vor Kummer darüber starb, daß er mit Sprachmittler bzw. Dolmetscher verwechselt wurde. "Ein Übersetzer ist ein Sprachmittler, der – im Gegensatz zum Dolmetscher – fixierten (in der Regel schriftlichen) Text von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache überträgt." (Wiki)
"Wessen Land vertrocknet ist und wer nichts mehr zu essen hat, greift zu den Waffen"
Wer das liest, greift auch zu den Waffen. Hier verirrte sich wer zwischen wer und wessen. Zum mindesten felht hier "der". Aber auch dann noch ist es schlechtes Deutsch.
" In je sieben Kapiteln aus Szenarien und Fakten analysiert und veranschaulicht Dyer..."
Dyer analysiert nicht i n Kapiteln aus..., , sondern er analysiert Szenarien und Fakten in (je) sieben Kapiteln. Ein Sinnfehler, logisch verwaschenes Deutsch.
"Schlauer werden mit Zombies, Werwölfen und Vampiren"
nicht m i t, sondern durch Beispiel , durch Beobachtung oder sonstwie
"Der Leser hat den Eindruck, in der vordersten Reihe dabei zu sein"
Richtig: "m i t dabei zu sein"
"Meine mütterlichen Sünden, großen und kleinen Katastrophen und Momente des Glücks"
An "meine Sünden" ist unglücklich angehängt worden.
" Und seit dem 11. September werden in der westlichen Welt dem Phantomwert der Sicherheit Stück für Stück Freiheitsrechte geopfert."
Der Satz ist schlecht. "Stück für Stück Freiheitsrechte"
"Nur er selbst vergießt seit der Fernsehübertragung eines Putsches plötzlich keine Träne mehr. Und als er dies zu hinterfragen beginnt..."
Dieses Putsch? Dieses Träne? Dieses Fernsehübertragung?
"Von der unendlichen Bürde entlasten: Diese Sehnsucht bestimmt Erinnern und Gedenken an das Dritte Reich und den Holocaust in Deutschland."
Ein völlig mißratener Satz. W e n entlasten? Am besten den Satz erstmal auf Deutsch hinschreiben.
"Die vorliegenden Essays sind ein Glücksfall im Werk von Brigitte Kronauer und stammen aus einem Zeitraum von über dreißig Jahren."
Unglücklich formuliert. Der Glücksfall hat mit dem Zeitraum nichts zu tun. Zwei Sätze bilden.
"Von Cicero sind fast 1000 oft sehr persönliche Briefe überliefert. Diesen Quellenschatz bringt Francisco Pina Polo zum Sprechen"
Den "Quellenschatz zum Sprechen bringen"? Die spinnen, die Römer...
"...Persönlichkeit mit beeindruckenden Stärken und menschlichen Schwächen."
Wobei die Stärken vielleicht un-menschlich waren? Das muß man anders sagen.
"Vollständig überarbeitete Neuausgabe, die um die letzten zehn Lebensjahre ergänzt ist."
Man weiß ja, was Du meinst, aber formuliere das bitte besser!
"Was lässt Weltklassesportler an ihrer Seele leiden?"
Unglückliche Formulierung. Meine Seele leidet an solchem Geschwurbel. Leidet er an seiner Seele, oder die Seele an ihm, oder beide am Sport?
"wie ständiger Erfolgszwang und Eigendrill in unserer Gesellschaft krankmachende Bedingungen schaffen"
Vermeide sinnlose Füllselsprache! Vorschlag: "wie... krank machen".
"In der Arbeit mit den Patienten ist die Müdigkeitsreaktion von Analytikern nicht selten, wenn auch in der Regel unerwünscht. Gleichzeitig ist sie ein zentraler Indikator für die Qualität der analytisch-therapeutischen Beziehung "
"wenn auch " darf hier so nicht verwendet werden, auch "gleichzeitig" ist im Sinnzusammenhang schief angewendet. Hier hilft nur Totalauswechslung des Texters/ der Texterin.
"verständnisvolle Eltern, die Ruhe und Sicherheit ausstrahlen, sind von entscheidender Bedeutung für Kinder und ihre Entwicklung"
Natürlich können die Kinder nicht von ihrer Entwicklung getrennt werden - das muß umformuliert werden.
"Wie können Vernachlässigung und Misshandlungen von Kindern verhindert und das Risiko dafür frühzeitig erkannt werden?"
Ganz schrecklicher Grammatikfehler. Führt schon in der 4.Grundschulklasse zur Abwertung.
**********************
"Cotta, gegründet 1659, der maßgebliche Verlag der deutschen Klassik, steht für große Literatur und Philosophie, wie sie sich auch in der verlegerischen Betreuung von Johann Friedrich von Cotta, des Verlegers von Goethe, Schiller und anderen herausgebildet hatte."
Das ist ganz scheußlich verschroben. Es wurde doch nicht Johann von Cotta betreut, sondern Goethe usw. Hier ist "von", "durch" und noch einiges andere durcheinandergeraten. Besonders peinlich bei der Generalvorstellung des Verlags.
"Von der literarischen Fantasy, die wir heute in der Hobbit Presse finden, über die Psychoanalyse, Psychologie, Pädagogik einschließenden Humanwissenschaften, das aufregende, weil immer den Menschen und seine Kultur berührende Sachbuch, bis hin zu dem literarisch-intellektuellen Erbteil zugehörigen Essay."
Ein in dieser Länge und Formulierung oberpeinlicher Satz - ein Unding.
"Das bedeutende Element des historischen Buches fußt auf der Tradition der französischen École des annales..."
Schwurbeldeutsch. "Das bedeutende Element des Buches fußt..." Hier macht sich ein Verlag lächerlich.
"...hat sich diese Mischung aus Tradition und Erneuerung als konsistent und zukunftsweisend erwiesen. Dafür sprechen insbesondere Zuspruch und Erwartung unserer Leser."
Aber nein, nicht so bitte. "Dafür sprechen Zuspruch und Erwartung..." Abgesehen von mehreren logischen Sprüngen ist hier die deutsche Sprache mißhandelt.
Fazit:
Klett-Cotta, mir graut vor Dir. Nur gut, daß der alte Goethe solches nicht mehr lesen muß.
Zum Foto: Aufgrund der oben zitierten Texte ist es uns gelungen, endlich ein authentisches Foto der Verlagsleitung Klett-Cotta zu identifizieren: Die Herren bei der Arbeit an ihrer neuen Webseite
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen