Sonntag, 5. Dezember 2010

Der neue Webseitenverbund der Antiquare - jetzt!





Der Webseitenverbund Meyer/Kroko, Folge 5



Wie man weiß, stellt Google jedermann eine praktisch unbegrenzte Anzahl nahezu beliebig großer Blanko-Webseiten zur Verfügung. Diese Seiten erhalten eine eigene echte Webadresse (wenn auch nur innerhalb des Google-Systems), können also von überall her direkt angesprochen werden. Wer eine eigene URL hat, kann die Webadressen mit etwas Aufwand auch von Google ganz unabhängig adressieren, das ist aber, wie wir gleich sehen werden, im neuen Webseitenverbund unnötig.

Google-Seiten sind nun zwar eine recht pfiffige und sparsame Lösung, aber mir geht es weniger um Geldersparnis, sondern um einen Gedanken, der den Edelantiquaren in der Seele zuwider sein muß, den das mittlere Antiquariat meint nicht zu benötigen und die unteren Schichten unseres Gewerbes für schieren Luxus halten werden - kurzum ist es mir gelungen, mich mit meiner Empfehlung wieder einmal zwischen alle Stühle zu setzen.

Dieser verpönte Gedanke heißt: A l l e Kollegen jedweder Couleur müssen mit j e d e m vorgeschlagenen Weg zurechtkommen können. Lösungswege, die nur für einen Teil der Antiquare gangbar sind, kommen nicht in Frage. - Ich sehe die gequälten Gesichter der Edelantiquare vor mir, die ihre Webseiten längst bauen l a s s e n, so sie nicht, wie Kollege RFMeyer, Spaß am Eigenbau haben. Mir entgeht auch nicht, welche Herren zornig die Brauen heben, weil ich ihre Dienstleistungen, von der "Qualitätswebseite" genossenschaftlicher Prägung bis zu noch weit scheußlicheren Einheits- und Standard-Serienlösungen antiquarischer Webseiten sabotiere. Und die kleinen Kollegen sind sauer, derweil ich ihnen "nichts zutraue".

Nur gut, daß man einen bewährten alemannischen Dickschädel hat. Mich kümmert es nämlich absolut gar nicht, was da an Interessen beeinträchtigt wird. Ohnehin ist der Generalangriff gegen die großen Portale, den die kombinierten Ideen von RFMeyer und Kroko im Schilde führen, dort längst nicht unbemerkt geblieben. Ängstlich wird versucht, diese Überlegungen zu verhehlen, zu verschweigen. Nur nicht etwa darüber reden! Da sei Gott vor.

Also gilt die Devise, wenn man solche ketzerische Ideen durchbringen will: Augen zu und durch. Mehr als das Leben kanns nicht kosten. Die vielfältigen Interessen, die am bisherigen, alten Netz der Einzeltiteldatenbanken hängen, müssen unberücksichtigt bleiben, da sie a l l e auf der grotesk falschen Idee der Einzeltitelbestellung fußen. Sollen sie doch, zusammen mit diesem Wahngedanken, zugrundegehen.

Zurück zu den Google-Seiten. Sie bieten ein sehr beschränktes, auch für meinen Geschmack allzu versimpeltes Instrumentarium der Gestaltung. Dagegen kann der Kenner der Webseitensprache beliebig Code bis zu mittleren Schwierigkeitsgraden einbauen und wahre Wunderwerke aus seinen Googleseiten basteln - aber darum geht es mir nicht, sondern um das bereitgestellte Standardangebot aus dem Hause Google, wo sie recht gut wissen, was der Bauer in Nebraska und die Ärztin in Neuseeland an Internettechnik beherrschen - und was nicht.

Sie erinnern sich (vergleiche die Folgen 1 und 2 dieser kleinen Serie), wie das Grundschema aussieht. Der Antiquar hat seine bisherige Webseite, die er unverändert weiterführen kann oder sie den neuen Verhältnissen anpaßt. Wenn er aber bisher keine hat - das trifft im unteren Bereich zu ca. 2/3, im mittleren immer noch zu rd. 1/3 zu -, dann rate ich ihm dazu, sich bei Google einen B l o g einzurichten. Das ist eine ganz gescheite, in jeder Hinsicht praktische und überdies kostenlose Art und Weise, aus dem Nichts eine doch recht hübsche "eigene Webseite" einzurichten. Natürlich nur als Behelf, bis dem Kollegen eines Tages die individuell gebaute Webseite möglich sein wird. Reiche Bebilderung und eine immerhin ganz hübsche Gestaltungsvielfalt ist in den Google-Blogs möglich. Andere Blogtypen zu wählen ist aus mehreren Gründen (die ich bei Gelegenheit gern einmal erörtere) für den angestrebten Zweck hier nicht so günstig.

Von der bisherigen Webseite oder dem neuen Webseiten-Blog aus wird nun verlinkt auf eine Vielzahl von Google-Seiten. Jede dieser Seiten hat, wie schon erwähnt, ihre e i g e n e URL (Webadresse) u n a b h ä n g i g von der bestehenden Webseite bzw. vom neuen Blog. Jedes Thema, zu dem eine kleine oder größere Angebotsliste erstellt wird, bekommt eine s e p a r a t e Google-Seite. In kurzer Zeit verfügt ein mittlerer Antiquar so über 30-50 Google-Seiten, jede mit eigener Webadresse.

Der Vorteil meiner Methode besteht in zweierlei. Erstens kann der Antiquar jede Ergänzung, Erweiterung, jedes Löschen verkaufter Titel, jede nachträgliche Bebilderung usw. an der thematisch zutreffenden s e p a r a t e n Google-Seite vornehmen. Das ist eine ganz ungeheur praktische Möglichkeit! Denn das ständige Ergänzen und Herumkorrigieren in großen zusammenhängenden Webseiten wäre, sofern man aus dem Prokrustesbett der alten Datenbankstrukturen ausbrechen will (und das wollen wir), fürchterlich kompliziert und eigentlich unzumutbar.

Der zweite Vorteil, nicht minder wichtig, besteht darin, daß die Google-Einzelseite, also die kleine oder größere Fachliste mit oder ohne Bilder, ganz elegant und problemlos v e r l i n k t werden kann mit jener Zentralseite, von der aus die Kunden ja erst aus der gesamten Sachgebietsübersicht (der rd. 100 Sachthemen) nacheinander zu den Einzellisten gelangen. Meine Methode ist von beiden Seiten her ideal.

Weitere Einzelheiten, etwa über die notwendigen Links hinüber zur eigenen Webseite und zurück zur Zentralseite, über das Bestellformular auf jeder Google-Seite usw. habe ich schon in den vorherigen Folgen angesprochen.

Es ist sinnvoll, wenn wir uns hier um Detailfragen abmühen. Aber vergessen wir nie die große Linie, von der die vorangegangenen Folgen handeln. Nachdem wir uns 15 Jahre bemüht haben, i n die Datenbanken zu kommen, müssen wir nun wieder h i n a u s kommen. Lassen wir uns dabei nicht stören durch die vielfältigen Gegeninteressen, die sich in 15 Jahren um dieses Datenbank(un)wesen weltweit gerankt und gesponnen haben. Wir wissen, daß wir recht haben:

Der Kunde sucht, auch wenn er das selber nicht glauben mag, in Wahrheit und fast immer einen oder mehrere nicht präzise bestimmte Titel einer ihm nicht präzise bewußten Art aus einem immerhin recht präzis gekannten Sachgebiet. Was er uns sagt, ist "Architekturbuch um 1900" oder "Einführung in die Rechtswissenschaft um 1940" oder "Lyrik-Anthologie um 1930" oder "ich möchte was lesen über Zauberei, mit Bildern" oder "ich sammle Mädchenbücher vor 1900" oder "vielleicht baue ich eine Heimatsammlung über Ostfriesland auf" oder "ich such was zur Buchgeschichte, nicht zu schwer". Solche Vorhaben (von "verschiener Art Diffusität" - oh Soloantiquar, das wäre ein gefundenes Theorie-Fressen für dich) machen 90 % der Suchanfragen aus, konkrete Einzeltitel werden strategisch betrachtet und nicht faute de mieux - nur in etwa einem Zehntel der Fälle gesucht. Für 90 % der Suchanfragen ist der Webseitenverbund System RFMeyer/Kroko weitaus geeigneter.

Aber es geht ja noch um mehr. Lesen Sie die vorherigen Folgen, dann erkennen Sie, daß die Arbeitweise des Antiquars, seine Lagerungs.- und Angebotsart radikal verändert werden muß, daß es um g a n z h e i t l i c h e s Arbeiten im Antiquariat geht, daß sich vom Kunden her neue Horizonte eines Büchersammelns auf Vollständigkeit hin ergeben - - und daß die Bücherdatenbanken das, schon wegen ihrer Profitorientierung auf das Abschöpfen/Abrechnen konkreter Einzeltitel hin, nie werden leisten können. Von der wiedergewonnenen Würde des Antiquars, vom Fluch der Serien-Einzeltitelbearbeitung, von der bedröppelnden gigantischen Verschwendung im Einzelbuchversand, vom Vergnügen des Antiquars an eigener Webseite als "virtuelles Ladenlokal", an eigenen Kundenkontakten, von der Befreiung vom Gängelband fremder Profitdatenbanken sprachen wir ja schon.



Daniel Düsentrieb ist urheberrechtlich geschützt. Ich danke für die Ausleihe.

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