Mittwoch, 8. Dezember 2010

Die neue Klett-Cotta-Seite - eine Beleidigung für Verstand und Sinne




Es gibt Webseiten, die eine einzige Beleidigung aller S i n n e darstellen. Wenn dann auch der V e r s t a n d auf der Strecke bleibt, kann der Leser nur noch hilflos lallen.

Aus gutem Hause kommt diesmal eine Homepage, für die Klett-Cotta verantwortlich zeichnet. Zuhause ist sie in Absurdistan.

Wenn der Kunde und Besucher sich, wie es hier der Fall ist, ohne Gegenwehr Machwerke dieser Art antun muß, darf er sich dann nicht wehren? Ich vertrete die Schule harter Webkritik - was uns Böses getan wird, davon dürfen wir künden. Auszuhalten haben wirs ohnehin. Eine Ohrfeige, ein Tritt sind nichts gegen die Verletzungen, die uns eine miserable Webseite zufügt.

Das triste Blaßviolett nehmen wir noch hin. Es ist die häßlichste Farbe der Welt, gebräuchlich für Papiertotenhemden im Atomkrieg und Altersheim-Nachttöpfe. Violett kann wunderschön sein, jeder Katholik weiß das aus der Passionszeit. Aber diese Sorte blaßviolett ist deprimierend. Selbstmörderfarbe.

Es gibt viele Schriften, darunter erfreuliche, hinnehmbare - und ärgerliche. In der hier angewandten Größe ist die Schrift auf den Registerkarten unangemessen und die Schrifftype hat jene ersichtlich hergestellte Semi-Schlichtheit, die mißfällt. Was ich nur erwähne, weil gleich danach die Todsünde begangen wird, von Großbuchstaben-Texten überzuwechseln in normale Schreibweise - ich sags volkstümlich - und der gequälte Leser muß sich untereinander ansehen

BÜCHER und
Neue Bücher.

Geht es noch häßlicher?

Darunter werden dem Besucher recht unmotiviert fünf Deckelbilder, auf Schwurbeldeutsch "Cover" genannt, an den Kopf geknallt - - ohne ein Sterbenswörtchen der üblichen erklärenden Unterschrift. Solche Rätselspiele sind ganz aus der Mode, Euer Ehren. Aber sachte - klicke ich auf eines der Deckelbilder, dann trete ich erst recht ein ins Reich des Grauens (davon vielleicht unten mehr).

Unterhalb dieser s t u m m e n Reihe der Deckelbilder begibt sich etwas zugleich Möchtegernmodernes wie (wir sind in Schwaben:) Sau-freches und Unhöfliches - in viel zu großen Feldern werden häufigere und seltenere Suchworte der ganzen Homepage nach Größe des statistischen Vorkommens abgebildet. Man muß sich das absolut S i n n l o s e dieses Unterfangens ansehen, beschreiben läßt es sich kaum. Folgerichtig fängt diese Spielerei an womit - mit dem Suchwort "Bücher". Ach nein, wer hätts gedacht?

Ich sags ja, Entenhausen ist nichts dagegen. Klickt man folgsam auf "Bücher", geht die Zwangsreise auch diesmal tiefer in die Abgründe des Absurden.

"Aus unseren News" und "mehr News" ist erstens schlechtes Deutsch und zweitens ein Verstoß gegen die Wortbedeutung. Unter "news" versteht man eben gerade n i c h t das, was ein Verlag neu entwickelt oder neu einführt. Die "News" sind noch immer auf die Nachrichtenvermittlung beschränkt. Eine Verlagsmitteilung w i r d dann zu "News", wenn sie in die Medien eingebracht worden ist. Auf der Homepage heißt so etwas richtig "Neuigkeiten" oder "Neues aus unserer Verlagsarbeit".

Überhaupt wimmelt die ganze Homepage von teils schlimmen Deutschfehlern und Grammatikbrüchen. Wenn, ausgerechnet auf der ersten Seite, formuliert wird: "Die Votingphase ist gestartet!", dann muß der Texter noch einmal in die Untertertia. In die gleiche Schäm-Ecke gehört die Formulierung, auch sie auf der ersten Seite, "Dialogische Führung und coachend leiten". - Euer Ehren, wo haben Sie Grammatik gelernt?

"Aus unseren News" "Service" und "Termine" ist im Verhältnis zu den anderen Schriften lächerlich klein gesetzt. Was sollen solche Spielchen? Unter "Service" - ein schrecklich falsches Modewort, denn die ganze Verlagsseite sollte "Service" sein - verbergen sich die üblichen Verlegenheitseinträge. "Service: Leser" ist völlig kryptisch. Für wen sonst, wenn nicht für den Leser, macht KC diese Seite?

Die Werbeeinblendungen unten, an sich recht gut gestaltete Kleinplakate, sind mitnichten solche, sondern - keine Seele kann trotz der roten Erklärungszettelchen darauf kommen - große Registerkarten, die es anzuklicken gilt, will man zu den entsprechenden Teilen der Webseite kommen. Werbefelder aber, das lernt heute schon ein Viertklässler, klickt man besser nicht an... Diese mißverständliche Gestaltung ist brandgefährlich und ein so gravierender Planungsfehler, daß ich meinen alten Hut verwette: Das ändern sie bei KC subito. Sonst bleiben die entsprechenden Webteile - - unbesucht. Sowas Schusseliges ist mir selten begegnet, daß jemand

*die eigene Webseite völlig lahmlegt.

Ein Quentchen, aber doch nicht viel besser ist die Erkennbarkeit dort, wo mehrere Verlagssignets als anklickbare Einstiegssymbole gestaltet sind. Aber sehen Sie näher hin: Wer realisiert auf die Schnelle hier die D e t a i l s der Symbolvarianten? Das müssen Sie aber, denn dahinter stecken beim Verlagsriesen KC jeweils ganze, höchst unterschiedliche Welten... Ein abschreckendes Beispiel dafür, wie Webseitengrafik nicht als Helfer und Verdeutlicher der Botschaft eingesetzt wird, sondern als Hindernis und Verballhorner der message auftritt.

Darunter kommt ein, sit venia verbo, ekelhaftes Gewürme und Geranke von lieblos angeordneten, schwer überschaubaren, offenbar verblödet geordneten Stichworten, die man minutenlang studieren muß, um halbwegs die gemeinten, gedachten Stukturen erkennen und anklicken zu können. Das macht ein Informatikstudent im ersten Semester besser. Sind denn nun "Bücher", "Fachbücher", "Autoren" die Header der unten folgenden Aufzählungen, oder sind sie es nicht? Da das Feld unter "Autoren" leer ist, kommt der verwirrte Betrachter irgendwann darauf, daß dem nicht so sei. Erneutes Sinnen und Denken, bis hier halbwegs eine Struktur deutlich oder besser undeutlich wird.

Was, o KC, hast du dir dabei gedacht? Symptomatisch ist mein (echter, nicht nachkonstruierter) Lesefehler "Artenschutz" statt "Datenschutz". Welche Assoziation mich bei diesem Freudschen Fehler leitete, in Bezug auf die Gattung des Webseitenmachers im Naturreich, dürfen Sie erraten...

Die angekündigte Reise des Schreckens ins Innere - es geht noch schlimmer weiter - sollen Sie selbst unternehmen. Machen Sie sich schnell auf den Weg, denn lang wird dieses Ärgernis von Webseite, wir hoffen auf den bewährten Sachverstand bei KC, nicht im Netz stehen bleiben.

Notabene, ich habe mich wirklich geärgert. Und was ich hilflos über mich ergehen lassen mußte, das hinauszuschreien gab mir der Schöpfer eine Tastatur. Wenigstens wehren darf man sich, darf man sich nicht?

Note 5-6. We are not amused.


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